Update 22.09.2026

Innere Medizin

1. Bluttest auf viele Krebsarten senkt Spätstadien nicht

In einer am 22. September 2026 im NEJM erschienenen Studie prüften Sasieni und Kolleginnen und Kollegen, ob ein blutbasierter Multicancer-Early-Detection-Test zusätzlich zur üblichen Versorgung nach drei Screeningrunden weniger Stadium-III/IV-Karzinome bringt. Die Inzidenz später Stadien unterschied sich nicht signifikant von der üblichen Versorgung allein. Das begleitende Editorial nennt das einen Schritt auf der Suche nach dem „Heiligen Gral“ der Früherkennung – und zugleich eine Ernüchterung: Ein positiver Bluttest ist kein Ersatz für evidenzbasiertes organspezifisches Screening. Übersicht: NEJM Recently Published.

2. Primärer Hyperaldosteronismus und Nierentransplantation

Ein JAMA-Insights-Beitrag vom 21. September 2026 fasst Diagnose und Therapie des primären Aldosteronismus zusammen – relevant, weil die Erkrankung unterdiagnostiziert bleibt und Blutdruck, Kalium und kardiovaskuläres Risiko steuert. Parallel untersucht JAMA, wie sich die Einschreibung in Medicare Advantage nach dem 21st Century Cures Act auf den Zugang zur Nierentransplantation auswirkt.

3. Prävention am Rand der Onkologie

Eine große britische Auswertung verknüpft sehr heiße Getränke mit höherem Risiko für Ösophagus-Plattenepithelkarzinome; das absolute Risiko bleibt niedrig, so Medscape am 22. September. Bei älteren Raucherinnen und Rauchern zeigte Cytisin auf der WCLC kurzfristig hohe Abstinenzraten ohne schwere Nebenwirkungen – praxisnah für internistische Entwöhnung. Eine EGFR-Keimbahnmutation erhöhte in einer Analyse das Lungenkrebsrisiko etwa 25-fach insgesamt und etwa 60-fach bei Nie-Rauchenden (Healio, 22. September). Kleine Ernährungsumstellungen wurden mit besserem Überleben beim Prostatakarzinom in Verbindung gebracht.

Onkologie

4. Imlunestrant plus Abemaciclib bei ESR1-mutiertem Brustkrebs

Die FDA hat am 18. September 2026 Imlunestrant (Inluriyo) plus Abemaciclib für ER-positiven, HER2-negativen, ESR1-mutierten fortgeschrittenen Brustkrebs nach Progress unter mindestens einer endokrinen Therapie zugelassen. In EMBER-3 verdoppelte die Kombination das mediane PFS gegenüber Imlunestrant allein. Der Unterschied zu Camizestrant plus CDK4/6 liegt vor allem im Zeitpunkt des endokrinen Wechsels, wie Medscape einordnet. Offizielle FDA-Notiz: fda.gov.

5. CUP, Aderhautmelanom, TNBC in Europa

Nach längerem Follow-up der CUPISCO-Studie verbesserte umfassendes genomisches Profiling mit anschließender molekular gesteuerter Therapie die Outcomes gegenüber Platinchemotherapie beim zuvor unbehandelten ungünstigen CUP. Tebentafusp behält in der finalen 5-Jahres-OS-Analyse von IMCgp100-202 den Langzeitvorteil beim unbehandelten nicht resektablen oder metastasierten Aderhautmelanom. Die EMA empfiehlt die Erweiterung von Sacituzumab-Govitecan in Kombination mit Pembrolizumab auf die Erstlinie des nicht resektablen lokal fortgeschrittenen oder metastasierten triple-negativen Mammakarzinoms. Am 22. September berichtete Medscape über sechs positive CHMP-Meinungen (unter anderem Abirateron-Mylan, Enhertu, Keytruda, Padcev, Pepaxti, Tecvayli), die den Einsatz teilweise in frühere Linien verschieben.

6. Lunge, Myelom, MDS, PV

Tegavivint plus Osimertinib zeigte in einer Phase-1b-Studie frühe, tiefe Remissionen in der Erstlinie des EGFR-mutierten NSCLC (OncLive, 22. September). Aktualisierte TRUST-I/II-Daten untermauern die Dauerhaftigkeit von Taletrectinib beim ROS1-positiven NSCLC nach drei Jahren. Die FDA erteilte Fast Track für LYT-200 plus hypomethylierende Therapie beim rezidivierten/refraktären Hochrisiko-MDS. Die aktualisierten NCCN-Leitlinien empfehlen Rusfertide bei Polycythaemia vera unabhängig vom Risiko, wenn Aderlässe nicht vertragen werden oder häufig nötig sind. Eine Beobachtungsanalyse berichtet einen langfristigen OS-Vorteil von Orca-T gegenüber posttransplant-Cyclophosphamid bei allogener Transplantation hämatologischer Neoplasien. Anselamimab verfehlte beim Leichtketten-Amyloidose den primären Endpunkt, zeigte aber in einer Subgruppe ein Signal auf niedrigere Gesamtmortalität (SOHO 2026 / Medscape).

7. Impfstoffe, Versorgungsforschung, Generika

Ein translationaler JAMA-Review vom 21. September ordnet antigenbasierte Krebsimpfstoffe ein: Sie sollen adaptive Immunität gegen tumorassoziierte Proteine aufbauen; der klinische Stellenwert bleibt indikationsabhängig. In JAMA Network Open verbesserte ein KI-Chatbot in Japan die HPV-Impfstoffkompetenz von Betreuenden gegenüber einem Behördenblatt; eine weitere Kohorte verknüpft Gefäßmerkmale des Tumors mit darmkrebsspezifischer Mortalität. Community-Praxen setzen Bispezifika rasch ein, scheitern aber oft an Erstattung, Monitoring und Klinikkooperation (Targeted Oncology). Die FDA ließ ein generisches Lanreotid und ein Biosimilar zu Lutetium-177-Dotatate für SSTR-positive GEP-NET zu. Japan hat subkutanes Pembrolizumab plus Berahyaluronidase für alle dortigen Keytruda-Indikationen zugelassen.

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