Update II 13.10.2026

Innere Medizin

1. Orales Orforglipron kann Basalinsulin ersetzen

Auf der EASD-Tagung und im Lancet (DOI: 10.1016/S0140-6736(26)01865-9) zeigte der orale nicht-peptidische GLP-1-Rezeptoragonist Orforglipron bei Typ-2-Diabetes, dass er den von den Behörden geforderten kardiovaskulären Sicherheitsnachweis erfüllt und den HbA1c stärker senkt als Insulin glargin. Zusätzlich kam es zu einer deutlichen Gewichtsreduktion. Das Deutsche Ärzteblatt berichtete am 7. Oktober ausführlich darüber. Deutsches Ärzteblatt. Einordnung: Ein orales GLP-1-Präparat, das Basalinsulin ersetzen kann, ändert die Sequenz bei vielen Patienten mit Typ-2-Diabetes. Die kardiovaskuläre Sicherheit ist formal belegt, der Gewichtsverlust ist der praktische Zusatznutzen. In Deutschland zählt die EMA-Entscheidung und die Erstattung. Auf X wird das Präparat vor allem als weiterer Schritt in der oralen GLP-1-Entwicklung diskutiert; Kliniker betonen, dass die gastrointestinale Verträglichkeit und die Langzeitadhärenz die entscheidenden Punkte bleiben, nicht nur der HbA1c-Unterschied.

2. IARC bestätigt Nutzen des Niedrigdosis-CT beim Lungenkrebsscreening

Eine IARC-Arbeitsgruppe hat die Evidenz neu bewertet und bestätigt den Effekt von Niedrigdosis-CT auf die Lungenkrebsmortalität und die Inzidenz fortgeschrittener Stadien. Die Bewertung stützt sich auf experimentelle und beobachtende Studien und ist im NEJM (DOI: 10.1056/NEJMsb2608211) erschienen. Das Deutsche Ärzteblatt berichtete am 12. Oktober. Deutsches Ärzteblatt. Einordnung: Die internationale Bestätigung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem in Deutschland die Implementierung des Lungenkrebsscreenings weiter diskutiert wird. Der Nutzen auf Mortalität und späte Stadien ist da; die Herausforderungen bleiben Überdiagnostik, Nachsorgekapazität und die Auswahl der Risikogruppen. Auf X und in Fachkreisen wird betont, dass Screening ohne strukturierte Abklärungswege und Raucherentwöhnung nur die Hälfte der Arbeit leistet.

3. FDA: Ein pivotaler Trial als neuer Standard

Im NEJM argumentieren FDA-Commissioner Marty Makary und Vinay Prasad, dass künftig grundsätzlich ein hochwertiger pivotaler Trial statt der bisherigen Zwei-Studien-Regel ausreichen soll. Technologische Fortschritte und bessere Studiendesigns erlaubten das, ohne die Standards zu senken. Zwei Studien bleiben in Einzelfällen möglich, Postmarketing-Daten sollen stärker genutzt werden. BioPharma Dive / NEJM. Einordnung: Für die Onkologie ändert das weniger als für andere Fachgebiete, weil beschleunigte Zulassungen dort schon länger auf einem Trial plus Bestätigung basieren. Für Innere Medizin, Kardiologie oder Immunologie könnte die Schwelle sinken. Die Debatte auf X dreht sich um die Frage, ob das die Evidenzqualität senkt oder nur überflüssige Doppelungen abschafft. In Europa bleibt die EMA-Logik unberührt.

Onkologie

4. Zytostatika-Ausschreibungen: Pläne vom Tisch

Am 13. Oktober meldet das Deutsche Ärzteblatt, dass die geplanten Ausschreibungen für die patientenindividuelle Zytostatika-Herstellung in den neuesten Änderungsanträgen zum Notfallreform-Gesetz nicht mehr enthalten sind. Die Zubereitung bleibt vom Zuweisungsverbot ausgenommen; Praxen können weiter mit den Apotheken ihrer Wahl kooperieren. BNHO und DGHO hatten zuvor vor Versorgungslücken gewarnt. Deutsches Ärzteblatt, 13.10.. Einordnung: Der Status quo bleibt. Die Fachgesellschaften hatten auf die Erfahrungen vor 2017 verwiesen: Engpässe, Qualitätsprobleme und logistische Brüche. Auf X und in den Stellungnahmen war die Ablehnung klar; der Verzicht auf die Ausschreibung wird als Sicherung der Versorgungsstabilität gelesen. Die politische Diskussion um Einsparungen ist damit an dieser Stelle vorerst beendet.

5. Giredestrant plus Everolimus im ER-positiven Mammakarzinom

Die Phase-3-Studie evERA, publiziert im NEJM, zeigt, dass Giredestrant (oraler ER-Degrader und voller Antagonist) plus Everolimus das progressionsfreie Überleben gegenüber Standard-endokriner Therapie plus Everolimus verlängert. Der Vorteil war in der Intention-to-treat-Population und noch ausgeprägter bei ESR1-Mutation vorhanden. Die FDA hat die NDA angenommen; PDUFA-Datum für die Kombination ist der 18. Dezember 2026. Targeted Oncology / NEJM. Einordnung: Nach CDK4/6-Inhibitoren ist die nächste endokrine Eskalation relevant. Everolimus ist bekannt und toxisch (Stomatitis, Pneumonitis, Hyperglykämie); Giredestrant muss die Verträglichkeit und den OS-Vorteil noch zeigen. Auf X wird die Studie als weiterer Baustein der endokrinen Sequenz nach CDK4/6 diskutiert; Kliniker fragen nach dem direkten Vergleich zu anderen oralen SERDs und nach der Rolle bei ESR1-Wildtyp.

6. ATOMIC-Dauer und ESMO-Vorschau

Eine explorative Analyse der ATOMIC-Studie, vorgestellt beim ESMO GI, deutet an, dass mehr als sechs Zyklen FOLFOX plus Atezolizumab und eine längere Atezolizumab-Gabe mit besserem DFS assoziiert waren. Das OS bleibt bisher nicht signifikant unterschiedlich. Taletrectinib hat ein Label-Update mit medianer Ansprechdauer von 49,7 Monaten bei TKI-naiven ROS1-positiven NSCLC erhalten. ESMO 2026 (23.–27. Oktober, Madrid) bringt unter anderem INTerpath-001 (personalisierter mRNA-Impfstoff beim Melanom) und SAFFRON. OncLive. Einordnung: Die explorative Dauer-Analyse stützt die volle geplante Therapie, ist aber keine randomisierte Dosisfindung. Auf X kommentieren Onkologen die ATOMIC-Zulassung positiv als ersten adjuvanten IO-Standard bei dMMR, weisen aber auf das noch unreife OS und die höhere Grad-3/4-Rate hin. Die subkutane Formulierung wird als Logistikvorteil gesehen. Für ESMO gilt: Die Abstracts kommen ab dem 19. Oktober; bis dahin bleibt jede Praxisänderung spekulativ. Die Kombination aus DFS-Gewinn ohne OS-Signal und der politischen Stabilisierung der Zytostatika-Versorgung zeigt, wo die aktuelle Spannung zwischen Evidenz und Implementierung liegt.

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