Update 05.10.2026

Innere Medizin

1. Positiver FIT ohne Koloskopie: die Lücke ist organisatorisch

JAMA Internal Medicine (5. Oktober) prüft Strategien, die nach einem auffälligen FIT oder FOBT die Nachsorge-Koloskopie erhöhen. Ein Editor’s Note von Cary Gross nennt genau diese Strecke die offene Flanke der Darmkrebsvorsorge. Parallel: Auslaufen pandemischer Lebensmittelhilfe und Ernährungsunsicherheit bei Erwachsenen mit Behinderung. JAMA Intern Med, 5. Oktober. Einordnung: Der Test ohne Termin ist keine Vorsorge. Recall, Navigationsprogramm und direkte Endoskopie-Slots schlagen eine weitere Broschüre. Wer den positiven Stuhltest drei Monate liegen lässt, verschenkt das Stadium. Ernährungsunsicherheit ist kein Sozialamt-Thema am Rand: sie steuert Diabetes, Herzinsuffizienz und Adhärenz. Primärer Aldosteronismus bleibt in derselben Ausgabe als Clinical Insight — Screening bei resistenter Hypertonie, nicht erst beim Inzidentalom.

2. DMARD-Pause und Impfantwort, Blutdruck und Gebrechlichkeit

Dieselbe Ausgabe: Absetzen von DMARDs und Immunogenität einer COVID-Zusatzdosis bei entzündlicher Arthritis. Kommentar: nicht jedes Immunsuppressivum muss pausieren. Medscape (5. Oktober): Hypertonie verknüpft mit schnellerer Progression von Frailty. Medscape. Einordnung: Methotrexat kurz pausieren kann die Impfantwort heben; Rituximab und JAK-Hemmer folgen anderen Regeln. Pauschales Absetzen aller Basistherapeutika riskiert den Schub. Blutdruck bei Gebrechlichen ist ein Zielkonflikt: zu hoch beschleunigt Frailty und Demenz, zu niedrig Sturz. Steh-Messung und Gangbild gehören zur Einstellung, nicht nur der Sitzwert.

Onkologie

3. Rusfertide bei Polycythaemia vera

FDA-Zulassung von Rusfertide, einem Hepcidin-Mimetikum, verschiebt die Steuerung der Polycythaemia vera weg vom reinen Aderlass. Einordnung durch Andrew Kuykendall, 4. Oktober. Targeted Oncology. Einordnung: Aderlass senkt den Hämatokrit und leert die Eisenreserven. Rusfertide bremst die Eisenabgabe und kann Aderlassfrequenz und Symptome drücken — Thromboserisiko, Hämatokrit-Ziel und Zytoreduktion mit Hydroxyurea oder Interferon bleiben. Kein Ersatz für die JAK2-Diagnostik und keine Freigabe bei unkontrollierter Thrombozytenzahl. In Europa erst nach EMA-Verfahren in die Praxis übernehmen.

4. Pankreas: Erstlinie RAS-G12D, zwei Inhibitoren

RASolute 309 startet: Daraxonrasib plus den G12D-Inhibitor Zoldonrasib versus Chemotherapie in der Erstlinie des fortgeschrittenen Pankreaskarzinoms mit RAS G12D (5. Oktober). Targeted Oncology. Einordnung: G12D ist die häufigste KRAS-Variante im Pankreas, nicht G12C. Die Phase-1-Zahlen von Daraxonrasib allein rechtfertigen keine Off-Label-Erstlinie. Fit Patientinnen und Patienten gehören in die Studie oder in FOLFIRINOX bzw. Gemcitabin/nab-Paclitaxel. Expanded Access ist ein Engpassprogramm, kein Standard. Bildgebung alle acht Wochen und frühe Toxizität (Rash, Diarrhö) entscheiden, ob man im Protokoll bleibt.

5. Chronische Immuntoxizität nach adjuvanter PD-1-Therapie

Kohorte in JAMA Network Open (2. Oktober): Risikofaktoren und Entzündungsmarker für chronische immunvermittelte Nebenwirkungen nach adjuvanter Anti-PD-1-Therapie beim Melanom. Parallel: Geschlecht und Mortalität beim hepatozellulären Karzinom. JAMA Network. Einordnung: Das adjuvante Jahr ist nicht vorbei, wenn die letzte Infusion gelaufen ist. Hypothyreose, Nebenniere, Arthritis und Pneumonitis können Monate später kommen. Vor der adjuvanten Indikation gehört die Aufklärung über chronische Toxizität neben das Rezidivrisiko — besonders bei Stadium II mit kleinem absolutem Gewinn. HCC-Mortalität nach Geschlecht ist kein Grund für andere Systemtherapie, sondern für unterschiedliche Surveillance und Komorbidität.

6. ESMO in drei Wochen: was die Praxis ändern könnte

Madrid, 23.–27. Oktober. Für das frühe HR-positive Mammakarzinom steht das 6-Jahres-Gesamtüberleben von NATALEE (Ribociclib plus Aromatasehemmer) als LBA25. TALENT prüft neoadjuvantes Trastuzumab-Deruxtecan bei HER2-low. Nach CDK4/6: KEYNOTE-B49 (Pembrolizumab plus Chemotherapie) und Gesamtüberleben von postMONARCH und FINER. MOIO fragt, ob Checkpoint-Inhibition nach Ansprechen nur noch alle drei Monate gegeben werden kann. OncoDaily, 5. Oktober. Einordnung: Bis die Abstracts am 19. Oktober online gehen, ist das Programm, keine Änderung der Leitlinie. NATALEE-OS entscheidet, ob Ribociclib adjuvant neben Abemaciclib bleibt oder nur iDFS war. Deeskalation der IO in MOIO wäre der erste große Schritt gegen Dauertoxizität und Kosten — nur wenn das Intervall nicht mit mehr Progress bezahlt wird.

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