G-Ecke 13.10.2026

Endoskopische Gastroenterologie

1. EUS-gesteuerte Eingriffe bei Hochrisikopatienten

Netzwerk-Metaanalysen, vorgestellt auf der Digestive Disease Week, vergleichen EUS-geführte Gallenblasendrainage (EUS-GBD) und Gastrojejunostomie (EUS-GE) mit klassischen Verfahren. Bei Cholezystitis zeigte EUS-GBD klinischen Erfolg vergleichbar zu laparoskopischer Cholezystektomie und perkutaner Drainage, aber deutlich weniger Reinterventionen (OR 8,76 gegenüber perkutaner Drainage). Bei maligner Magenausgangsstenose war der klinische Erfolg von EUS-GE vergleichbar zu enteralem Stent und chirurgischer Gastrojejunostomie. HCPLive / DDW 2026. Einordnung: Bei gebrechlichen oder inoperablen Patienten verschiebt sich die Balance zugunsten des endosonographischen Zugangs. Die geringere Reinterventionsrate ist der praktische Vorteil. Technische Expertise und Verfügbarkeit des Equipments bleiben die limitierenden Faktoren; nicht jedes Zentrum kann das flächendeckend anbieten. Die Daten stützen EUS-GBD als First-Line-Option bei ausgewählten Hochrisikofällen.

2. Überwachungsintervalle nach Hochrisiko-Adenomen

Eine randomisierte Studie im NEJM (DOI: 10.1056/NEJMoa2603816) zeigt, dass nach Entfernung von Hochrisiko-Adenomen eine Kontrollkoloskopie nach fünf Jahren derjenigen nach drei Jahren nicht unterlegen ist. Die Inzidenz kolorektaler Karzinome war niedrig und unterschied sich nicht relevant zwischen den Gruppen; das Stadium bei Diagnose war vergleichbar. Das Deutsche Ärzteblatt berichtete am 8. Oktober darüber. Deutsches Ärzteblatt / NEJM. Einordnung: Die Leitlinien empfehlen bisher drei Jahre. Die Interim-Analyse eines Zehn-Jahres-Trials legt nahe, dass eine Verlängerung auf fünf Jahre sicher sein kann, sofern die initiale Koloskopie von hoher Qualität war. Die Teilnahmerate an der Kontrolluntersuchung lag nur bei 65–70 %; fehlende Daten wurden statistisch korrigiert. In der Praxis bleibt die individuelle Risikostratifizierung (Zahl, Größe, Histologie der Adenome, Qualität der Vorbereitung) entscheidend. Eine pauschale Verlängerung ohne Qualitätskontrolle wäre riskant.

3. Kurze Antibiotikatherapie nach biliärer Drainage

In der COBRA-Studie (DDW 2026) war eine eintägige Antibiotikagabe nach adäquater endoskopischer biliärer Drainage bei akuter Cholangitis der viertägigen bis siebentägigen Therapie nicht unterlegen. Klinische Heilung: 95,1 % versus 93,7 %; die Non-Inferioritätsgrenze wurde erreicht. Eingeschlossen waren ältere Patienten mit relevanter Krankheitslast, darunter bakterämische Fälle. HCPLive. Einordnung: Die Drainage ist der entscheidende therapeutische Schritt; die Antibiotika dienen der Überbrückung. Eine Verkürzung auf einen Tag reduziert Selektion von Resistenzen und Nebenwirkungen, vorausgesetzt Fieber und Obstruktion sind behoben. Bei unvollständiger Drainage oder kompliziertem Verlauf gilt das nicht. Die Studie stützt einen stewardship-orientierten Ansatz nach erfolgreicher ERCP.

4. Kalte versus heiße Schlinge bei großen Polypen

Eine Individual-Patient-Data-Metaanalyse von vier randomisierten Studien in Gut zeigt: Kalte Schlingenresektion großer (≥20 mm) nicht-gestielter Polypen ist sicherer (schwere Komplikationen 1,7 % vs. 5,9 %), führt aber zu mehr als doppelt so hohen Raten residualer oder rezidivierender Adenome (26,5 % vs. 12,8 %). Der Unterschied ist bei serratierten Läsionen kleiner, bei Adenomen mit hochgradiger Dysplasie größer. Ab Oktober sind Kaltschlingen im EBM abrechenbar. Gut. Einordnung: Sicherheit und Effektivität stehen im Trade-off. Kalte Resektion eignet sich besonders für sessile serratierte Läsionen zwischen 2 und 4 cm und für Patienten unter Antikoagulation oder mit Multimorbidität. Bei adenomatösen Läsionen mit Dysplasie bleibt die heiße EMR oder ESD vorzuziehen, wenn die vollständige Entfernung im Vordergrund steht. Die EBM-Anpassung erleichtert die Umsetzung in der Praxis, ersetzt aber nicht die Indikationsstellung.

5. Weitere aktuelle Punkte

Die SHARP-Studie fand keinen Nutzen einer minoren Papillotomie bei Pankreas divisum und rezidivierender akuter Pankreatitis (adjustierte HR 0,83). Dupilumab verbesserte in der REMODEL-Studie die ösophageale Distensibilität bei eosinophiler Ösophagitis. Eine aktualisierte NordICC-Analyse bestätigt die Reduktion der Darmkrebsinzidenz durch einmalige Koloskopie, ohne klaren Mortalitätsvorteil in der Intention-to-Screen-Analyse nach 13 Jahren. Einordnung: Nicht jede endoskopische Intervention verbessert den harten Endpunkt. Bei Pankreas divisum bleibt die Papillotomie experimentell. Die EoE-Daten stützen die biologische Wirkung von Dupilumab über die Histologie hinaus. Beim Screening bleibt die Teilnahmequote der limitierende Faktor; eine einmalige Koloskopie senkt die Inzidenz, der Mortalitätsgewinn hängt von der Adhärenz und der Nachsorge ab. In der Praxis zählen Qualität der Vorbereitung, vollständige Intubation und adäquate Adenomdetektion mehr als die reine Zahl der Untersuchungen.

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