Zwei wichtige Arbeiten von Valter Longo zeigen, wie eine kurze, pflanzenbasierte Fasten-Diät Krebs schwächt und gesunde Zellen schützen kann
Valter Longo ist einer der führenden Forscher auf dem Gebiet von Ernährung und Langlebigkeit. Zwei zentrale Publikationen aus seiner Arbeitsgruppe beleuchten das Potenzial der Fasting-Mimicking Diet (FMD) in der Krebsbehandlung besonders klar.
1. Die wissenschaftliche Grundlage (Nencioni, Longo et al., Nature Reviews Cancer, 2018) In dieser Übersichtsarbeit erklären die Autoren die molekularen Mechanismen, warum Fasten und die FMD bei Krebs so vielversprechend sind.
Kernprinzip: Differential Stress Resistance (DSR): Gesunde Zellen reagieren auf starken Nährstoffmangel (wenig Glukose, Insulin und IGF-1) mit einem Schutz- und Reparaturmodus: Sie reduzieren Zellteilung, aktivieren Autophagie und werden widerstandsfähiger gegenüber Chemotherapie und anderen belastenden Therapien. Krebszellen hingegen können sich aufgrund onkogener Mutationen kaum an diesen Mangel anpassen. Sie bleiben „aktiv“ und werden dadurch empfindlicher gegenüber Krebsmedikamenten. Die FMD – eine 4- bis 5-tägige, kalorien-, kohlenhydrat- und proteinarme, rein pflanzenbasierte Diät – erzeugt ähnliche metabolische Veränderungen wie echtes Fasten, ist aber deutlich besser verträglich. Sie senkt IGF-1 und mTOR-Signale, fördert die Regeneration gesunder Gewebe nach der Therapie und kann Nebenwirkungen reduzieren, ohne die Wirkung der Krebsbehandlung zu behindern. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Kombination von FMD mit Chemotherapie, Immuntherapie oder zielgerichteten Therapien eine vielversprechende Strategie sein könnte, um die Wirksamkeit zu steigern, Resistenzentwicklung zu verzögern und Nebenwirkungen zu mindern.
2. Praktische Anwendung bei Lungenkrebs (Ghaddar, Jalal, Longo et al., Clinical Lung Cancer, Mai 2026)Diese aktuelle Pilotstudie untersucht erstmals konkret, ob die FMD auch bei Patienten mit metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) sicher und machbar ist.
Studiendesign: 10 Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC (meist unter oraler zielgerichteter Therapie wie Osimertinib oder Alectinib, einige mit Immuntherapie) erhielten eine einzelne 4-tägige FMD.
Wichtigste Ergebnisse:
- 90 % der Teilnehmer schlossen die FMD vollständig ab (hohe Machbarkeit).
- Keine schweren Nebenwirkungen (Grad 3 oder 4).
- Leichte Beschwerden (Grad 1–2): Übelkeit (30 %), Bauchschmerzen, Müdigkeit und Kopfschmerzen.
- Gewichtsverlust blieb unter 10 % und erholte sich größtenteils schnell.
- 80 % der Patienten würden die FMD wiederholen.
- Compliance bei den strengen Kalorienvorgaben lag bei 70 %.
Die Studie zeigt: Auch bei Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkrebs ist eine einzelne FMD-Zyklus sicher und gut umsetzbar, wenn die Patienten relativ fit sind.
Fazit: Von der Theorie zur klinischen Anwendung
Die 2018er Übersichtsarbeit liefert die biologische Begründung: Die FMD nutzt die unterschiedliche Stressantwort von gesunden und Krebszellen, um Therapien wirksamer und verträglicher zu machen. Die neue Pilotstudie von 2026 liefert erste konkrete Daten bei Lungenkrebs-Patienten und bestätigt, dass die FMD auch in dieser besonders belasteten Patientengruppe praktisch anwendbar ist.Zusammen deuten beide Arbeiten darauf hin, dass die Fasting-Mimicking Diet ein wertvolles ergänzendes Instrument in der modernen Krebsbehandlung sein könnte – nicht als Ersatz, sondern als Unterstützung von Chemo-, Immun- und zielgerichteter Therapie.
Größere Studien mit mehreren FMD-Zyklen bei Lungenkrebs sind bereits angelaufen (z. B. NCT06671613). Sie werden zeigen, ob die positiven Effekte auf Wirksamkeit und Verträglichkeit auch in größerem Maßstab bestätigt werden können.
Wichtig: Die FMD sollte immer in Absprache mit den behandelnden Onkologen und unter ernährungsmedizinischer Begleitung durchgeführt werden.
