Innere Medizin
1. Mechanische Thrombektomie 24–72 Stunden nach ischämischem Schlaganfall (LATE-MT)
Die LATE-MT-Studie randomisierte Patienten mit Large-Vessel-Occlusion und noch salvageablem Gewebe (nach Bildgebung) im Zeitfenster 24–72 Stunden nach Symptombeginn zu mechanischer Thrombektomie plus bestmöglicher medizinischer Behandlung versus medizinische Behandlung allein. Die funktionellen Outcomes nach 90 Tagen waren mit Thrombektomie besser, allerdings traten intrazerebrale Blutungen und Todesfälle häufiger auf. NEJM. Einordnung: Die Daten erweitern das Zeitfenster für die endovaskuläre Therapie über die klassischen 24 Stunden hinaus, sofern bildgebend noch rettbares Gewebe nachweisbar ist. Der funktionelle Gewinn muss gegen das erhöhte Blutungs- und Mortalitätsrisiko abgewogen werden. In der Praxis erfordert dies eine sorgfältige Patientenauswahl mit erweiterter Bildgebung und interdisziplinärer Entscheidung. Die Ergebnisse stärken die Rolle der Perfusionsbildgebung auch im späten Zeitfenster, bedürfen aber weiterer Bestätigung in anderen Populationen und Settings.
Onkologie
2. Osimertinib plus Savolitinib bei EGFR-mutiertem, MET-alteriertem NSCLC nach Progression (SAFFRON)
Die Phase-3-Studie SAFFRON verglich Osimertinib plus den MET-Inhibitor Savolitinib mit platinbasierter Chemotherapie bei Patienten mit EGFR-mutiertem NSCLC und MET-Alteration nach Progression unter Osimertinib. Die Kombination verbesserte das progressionsfreie Überleben (medianes PFS 7,6 vs. 5,4 Monate; HR 0,55) und das Gesamtüberleben. Der Benefit war auch in der Subgruppe mit MET-Überexpression sichtbar. NEJM. Einordnung: SAFFRON etabliert eine gezielte MET-gerichtete Strategie nach Osimertinib-Versagen und bietet eine Chemo-freie Option für eine relevante Subgruppe. Die Daten unterstützen das frühzeitige MET-Testing bei Progression. In der Praxis wird die Kombination für geeignet selektierte Patienten relevant; Toxizitätsmanagement (insbesondere gastrointestinale und Leberwerte) und die Frage der Reihenfolge zu anderen post-Osimertinib-Optionen bleiben wichtig. Die Ergebnisse reihen sich in die wachsende Evidenz für zielgerichtete Kombinationen nach TKI-Progression ein.
3. Tarlatamab plus Durvalumab als Erhaltungstherapie bei extensive-stage SCLC (DeLLphi-305)
In der Phase-3-Studie DeLLphi-305 verbesserte die Erhaltungstherapie mit dem DLL3-gerichteten bispezifischen T-Zell-Engager Tarlatamab plus Durvalumab das mediane Gesamtüberleben gegenüber Durvalumab allein bei Patienten mit extensive-stage Small-Cell-Lung-Cancer nach Erstlinien-Chemo-Immuntherapie (21,1 vs. 12,7 Monate; HR 0,42). Der Benefit war über Subgruppen hinweg konsistent, einschließlich Patienten mit Leber- oder Hirnmetastasen. Cytokine-Release-Syndrom trat häufig auf, meist niedriggradig. NEJM. Einordnung: Die Daten markieren einen signifikanten Fortschritt in der Erhaltungstherapie des SCLC, einer Entität mit bisher begrenzten Optionen. Die deutliche OS-Verbesserung macht die Kombination zu einem potenziellen neuen Standard, sobald verfügbar. In der Praxis erfordert der Einsatz von Tarlatamab Erfahrung im Management des Cytokine-Release-Syndroms und eine enge Überwachung. Die Ergebnisse stärken die Rolle bispezifischer Engager in der SCLC-Therapie.
4. Sonesitatug Vedotin bei CLDN18.2-positivem Magen-/Ösophaguskarzinom (CLARITY-Gastric01)
Die Phase-3-Studie CLARITY-Gastric01 untersuchte den CLDN18.2-gerichteten ADC Sonesitatug Vedotin versus Untersucherwahl bei vorbehandeltem fortgeschrittenem CLDN18.2-positivem Magen-, GEJ- oder Ösophagus-Adenokarzinom. In der Gesamtpopulation lag das mediane OS bei 10,6 versus 6,4 Monaten (HR 0,58); in der Drittlinien-und-später-Subgruppe bei 10 versus 5 Monaten (Risikoreduktion 53 %). Der Benefit war über verschiedene CLDN18.2-Expressionsniveaus hinweg konsistent. ESMO 2026 / CLARITY-Gastric01. Einordnung: Der ADC liefert einen klaren Überlebensvorteil in einer schwer vorbehandelten Population mit schlechter Prognose. Die Ergebnisse positionieren CLDN18.2-gerichtete ADCs als relevante Option in späteren Linien. In der Praxis wird die Testung auf CLDN18.2 und die Verfügbarkeit des Präparats entscheidend sein; Toxizitätsmanagement (typisch für ADCs) muss berücksichtigt werden. Die Daten erweitern die therapeutischen Möglichkeiten jenseits der bisherigen Standards in dieser Indikation.
5. Praktische Einordnung
Die aktuellen Daten verbinden erweiterte Indikationen in der Stroke-Therapie mit gezielten onkologischen Fortschritten bei Lungen- und gastrointestinalen Tumoren. Einordnung: In der Inneren Medizin gewinnt die bildgestützte Erweiterung des Zeitfensters für die Thrombektomie an Gewicht. In der Onkologie setzen sich biomarker-gesteuerte Kombinationen und ADCs weiter durch. Die gemeinsame Botschaft ist die Individualisierung durch Bildgebung und molekulare Testung bei gleichzeitigem Fokus auf harte Überlebensendpunkte und Sicherheitsprofile.
