Update 23.10.2026

ESMO 2026 – Präsidiale Daten

1. INTerpath-001: Personalisierte mRNA-Vakzine plus Pembrolizumab beim resezierten Melanom

Die Phase-3-Studie randomisierte 1137 Patienten mit reseziertem High-Risk-Melanom (Stadium IIB–IV) zu Pembrolizumab allein oder plus individualisierter mRNA-Neoantigen-Vakzine (intismeran autogene). Nach median 24,6 Monaten reduzierte die Kombination das Risiko für Rezidiv oder Tod um 42 % (HR 0,58; 95 %-KI 0,45–0,75; p < 0,001). Die 24-Monats-RFS lag bei 82,2 % versus 70 %. Das Risiko für Fernmetastasen oder Tod sank um 38 % (HR 0,62). Die OS-Daten sind noch nicht reif. Grad-≥3-Nebenwirkungen lagen bei etwa 24 % versus 20 %. MedPage Today / ESMO Presidential. Einordnung: Erstes positives Phase-3-Ergebnis einer personalisierten mRNA-Krebsvakzine. Die absolute Differenz bei der 2-Jahres-RFS beträgt 12 Prozentpunkte und ist klinisch relevant. Die Logistik der individualisierten Herstellung bleibt eine Herausforderung. Für geeignete Patienten wird die Kombination voraussichtlich zum neuen adjuvanten Standard. Ähnliche Programme laufen bereits in anderen Entitäten.

2. DeLLphi-305: Tarlatamab plus Durvalumab als Erhaltungstherapie beim ES-SCLC

In der Phase-3-Studie erhielten Patienten mit extensive-stage small cell lung cancer nach Chemo-Immuntherapie eine Erhaltungstherapie mit Tarlatamab plus Durvalumab versus Durvalumab allein. Das mediane OS lag bei 21,1 versus 12,7 Monaten (HR 0,42). Das mediane PFS betrug 7,4 versus 1,9 Monate (HR 0,34). Die 12-Monats-OS-Rate lag bei 79 % versus 53 %. Cytokine-Release-Syndrom trat bei 49,6 % auf, Grad ≥3 nur bei 0,4 %. ESMO Presidential Summary. Einordnung: Die OS-Verbesserung um über 8 Monate mit einer HR von 0,42 ist für das ES-SCLC außergewöhnlich. Der Benefit übersteigt numerisch frühere Erhaltungstherapien. Die CRS-Rate ist relevant, aber meist niedriggradig und beherrschbar. Die Kombination hat das Potenzial, die Erhaltungstherapie beim ES-SCLC neu zu definieren. Die vollständigen Daten und die Positionierung gegenüber anderen Erhaltungsoptionen werden die Praxis bestimmen.

3. VOLGA: Perioperatives Enfortumab Vedotin plus Durvalumab beim Cisplatin-ungeeigneten MIBC

Die Phase-3-Studie untersuchte neoadjuvantes Enfortumab Vedotin plus perioperatives Durvalumab versus Operation ± adjuvante Therapie bei Patienten mit muskelinvasivem Blasenkarzinom, die für Cisplatin ungeeignet waren oder es ablehnten. Das EFS verbesserte sich mit einer HR von 0,55 (24-Monats-Rate 78 % vs. 69 %). Das OS verbesserte sich mit einer HR von 0,58 (24-Monats-Rate 83 % vs. 75 %). Die pCR-Rate lag bei 45 % versus 10 %. Die FDA hat bereits Priority Review gewährt. OncLive / VOLGA. Einordnung: Die Daten etablieren eine wirksame perioperative Option für die große Gruppe cisplatin-ungeeigneter Patienten. Die hohe pCR-Rate und die OS-Verbesserung sind klinisch bedeutsam. Im Gegensatz zu anderen Studien wurde EV nur neoadjuvant gegeben. Die Kombination wird voraussichtlich schnell in die Praxis eingehen und die kurative Strategie beim MIBC weiter verschieben. Die Toxizität von EV (Haut, Neuropathie) muss in der Aufklärung berücksichtigt werden.

4. Weitere präsidiale Signale: CLARITY-Gastric01 und SAFFRON

CLARITY-Gastric01 zeigte als erste Phase-3-Studie einen statistisch signifikanten und klinisch relevanten OS-Vorteil mit dem CLDN18.2-ADC Sonesitatug Vedotin versus Therapie nach Wahl des Arztes in der ≥2. Linie beim CLDN18.2-positiven (≥25 %) Magen-/GEJ-Karzinom. SAFFRON untersuchte Osimertinib plus Savolitinib versus platinbasierte Chemotherapie bei MET-getriebenem, EGFR-mutiertem NSCLC nach Osimertinib-Progress und berichtete Verbesserungen bei PFS und OS. AstraZeneca / ESMO. Einordnung: CLARITY-Gastric01 erweitert die Optionen für die große CLDN18.2-positive Population im Magenkarzinom. SAFFRON adressiert eine wichtige Resistenzsituation beim EGFR-mutierten NSCLC. Beide Studien bestätigen den Trend zu molekular stratifizierten Therapien und ADCs. Die genauen Hazard Ratios und Subgruppen werden die Positionierung in den Leitlinien bestimmen. In spezialisierten Zentren sollten diese Ansätze bereits in die Therapieplanung einfließen.

5. Was die präsidialen Daten bedeuten

Die präsidialen Abstracts des ESMO 2026 liefern mehrere praxisrelevante Überlebensvorteile: eine personalisierte mRNA-Vakzine beim Melanom, eine BiTE-basierte Erhaltungstherapie beim ES-SCLC, eine perioperative ADC-plus-Immuntherapie beim MIBC und einen CLDN18.2-ADC beim Magenkarzinom. Einordnung: Die Ergebnisse markieren Fortschritte in personalisierten Impfstoffen, BiTEs und ADCs. Für die Praxis bedeutet das neue Optionen in mehreren großen Indikationen. Die Implementierung hängt von Zulassung, Verfügbarkeit und Toxizitätsmanagement ab. Die Daten unterstreichen, dass molekular stratifizierte und immunbasierte Strategien weiter an Bedeutung gewinnen und klassische Chemotherapie-Regimes in mehreren Settings ablösen oder ergänzen.

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