Innere Medizin
1. TAVR bei moderater Aortenstenose mit Risikomerkmalen – PROGRESS-Trial (NEJM)
Die randomisierte PROGRESS-Studie verglich transfemorale TAVR mit einer Ballon-expandierbaren Klappe versus klinische Überwachung bei Patienten mit moderater Aortenstenose und mindestens einem Risikomerkmal. Nach 2 Jahren trat der primäre Endpunkt (Tod oder Herzinsuffizienzereignis) bei 16,7 % in der TAVR-Gruppe und bei 23,9 % in der Überwachungsgruppe auf (Risikodifferenz −7,2 Prozentpunkte; 95 % CI −13,1 bis −1,3; p = 0,02). Der Unterschied beruhte vor allem auf weniger Herzinsuffizienzereignissen; die Gesamtmortalität war vergleichbar. Verfahrensbedingte Komplikationen lagen im erwarteten Rahmen. NEJM (Généreux et al.). Einordnung: Die Daten zeigen, dass moderate Aortenstenose mit Risikomerkmalen nicht als benigne zu betrachten ist und eine frühzeitige Intervention Vorteile bringen kann. In der Praxis könnte dies zu einer früheren Zuweisung in ein Herzklappenzentrum führen. Die Selektion der Risikomerkmale bleibt entscheidend; die Studie unterstützt eine individualisierte Entscheidungsfindung im Herzteam. Langzeitdaten zur Haltbarkeit und Re-Interventionen sind weiterhin erforderlich.
2. Finerenon bei chronischer Nierenerkrankung ohne Diabetes (NEJM / FIND-CKD)
Die Phase-3-Studie FIND-CKD untersuchte Finerenon bei Erwachsenen mit chronischer Nierenerkrankung ohne Diabetes. Über 32 Monate verlangsamte Finerenon den jährlichen eGFR-Abfall im Vergleich zu Placebo (Differenz 0,7 ml/min/1,73 m²/Jahr; p < 0,001). Der kombinierte renale oder kardiovaskuläre Endpunkt war ebenfalls reduziert (HR 0,77). Eine gepoolte Analyse (INFINITY) über mehrere Studien bestätigte konsistente Effekte auf Nieren- und kardiovaskuläre Endpunkte unabhängig vom Diabetesstatus. NEJM. Einordnung: Finerenon erweitert den Nutzen des nichtsteroidalen Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten auf die nichtdiabetische CKD. In der Praxis kann dies die therapeutischen Optionen bei Patienten mit Albuminurie und eingeschränkter Nierenfunktion erweitern, die bereits eine RAS-Blockade erhalten. Hyperkaliämie bleibt ein zu beachtendes Risiko, ist aber meist managbar. Die Daten unterstützen eine breitere Anwendung im kardiorenalen Kontinuum.
3. CKD als früher Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Ärzteblatt / DGfN)
Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie wurde betont, dass bereits eine leicht bis mittelgradig eingeschränkte Nierenfunktion das kardiovaskuläre Risiko deutlich erhöht und häufig unterschätzt wird. Viele Betroffene entwickeln Herz-Kreislauf-Erkrankungen lange vor einer möglichen Dialysepflichtigkeit. Deutsches Ärzteblatt. Einordnung: Die Hinweise unterstreichen die Notwendigkeit einer frühen Erkennung und Behandlung der CKD zur kardiovaskulären Prävention. In der Praxis sollte die eGFR-Bestimmung und die Suche nach Albuminurie in der Risikobevölkerung intensiver erfolgen. Die Integration kardiorenaler Therapien (SGLT2-Inhibitoren, Finerenon, RAS-Blockade) gewinnt weiter an Bedeutung. Die Daten mahnen zur engeren interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Nephrologie und Kardiologie.
Onkologie
4. Divarasib versus Sotorasib oder Adagrasib bei KRAS-G12C-mutiertem NSCLC (NEJM / ESMO)
Die Phase-3-Studie Krascendo 1 verglich den KRAS-G12C-Inhibitor Divarasib mit Sotorasib oder Adagrasib bei vorbehandelten Patienten mit fortgeschrittenem KRAS-G12C-mutiertem NSCLC. Das mediane progressionsfreie Überleben betrug 9,8 versus 5,7 Monate (HR 0,58; p < 0,0001). Das Gesamtüberleben war bei der ersten Interimsanalyse bereits signifikant besser (median 17,7 vs. 12,0 Monate; HR 0,56; p = 0,0005). Das Sicherheitsprofil war günstiger. NEJM. Einordnung: Divarasib zeigt eine überlegene Wirksamkeit gegenüber den bisherigen KRAS-G12C-Inhibitoren sowohl beim PFS als auch beim OS. In der Praxis könnte dies zu einer Verschiebung der Therapiepräferenz in der Zweitlinie führen, sobald die Zulassung vorliegt. Die Ergebnisse unterstreichen den Fortschritt bei zielgerichteten Therapien für KRAS-mutierte Tumoren und die Bedeutung früher OS-Daten. Weitere Studien in der Erstlinie (z. B. in Kombination mit Immuntherapie) laufen bereits.
5. Aktualisierte S3-Leitlinie Zervixkarzinom: Neuer Standard bei Rezidiv/Metastasen (Ärzteblatt)
Die aktualisierte S3-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Patientin mit Zervixkarzinom“ empfiehlt als neuen Therapiestandard bei Rezidiv oder Fernmetastasen eine platin- und taxanhaltige Chemotherapie in Kombination mit Pembrolizumab (und ggf. Bevacizumab). Hintergrund ist die hohe PD-L1-Expression bei etwa 90 % der Zervixkarzinome. Zusätzlich wird bei geplanter radikaler Hysterektomie eine vorherige Konisation empfohlen, um die Prognose zu verbessern. Deutsches Ärzteblatt. Einordnung: Die Leitlinie setzt die Ergebnisse der KEYNOTE-826-Studie und weiterer Daten in den deutschen Versorgungsalltag um. In der Praxis bedeutet dies eine breitere Anwendung der Immuntherapie bei fortgeschrittenem Zervixkarzinom. Die Empfehlung zur Konisation vor Hysterektomie kann die operative Strategie beeinflussen und die Prognose verbessern. Die Umsetzung erfordert eine enge interdisziplinäre Abstimmung.
6. Praktische Einordnung
Aktuelle Studien und Berichte liefern neue Optionen in der Kardiologie, Nephrologie und Onkologie. Einordnung: Bei moderater Aortenstenose mit Risikomerkmalen kann eine frühzeitige TAVR die Rate an Herzinsuffizienzereignissen senken. Finerenon erweitert den Nierenschutz auf die nichtdiabetische CKD. Gleichzeitig wird die prognostische Bedeutung einer frühen CKD für kardiovaskuläre Erkrankungen betont. In der Onkologie verbessern neuere KRAS-Inhibitoren die Prognose bei vorbehandeltem NSCLC, und die aktualisierte S3-Leitlinie etabliert die Immuntherapie als Standard beim fortgeschrittenen Zervixkarzinom. In der Praxis gewinnt die risikostratifizierte Entscheidungsfindung und die molekulare Charakterisierung weiter an Bedeutung.
