Update 01.10.2026

Prävention / Longevity

1. Aspirin und Demenz nur in einer genetischen Nische

ASPREE, über 13.500 Ältere, randomisiert niedrig dosiertes Aspirin versus Placebo. In der Gesamtgruppe kein Demenzschutz. Eine Nachanalyse nach Thrombozyten-Gen-Score ändert das Bild: im obersten Quintil des Platelet-Count-Scores erkrankten 1 % unter Aspirin versus 3,3 % unter Placebo — relativ etwa −70 %. Schwere Blutungen in derselben Gruppe 4,4 % versus 2,1 %. Publikation Alzheimer’s & Dementia, Bericht Monash 29. September: Monash University. Einordnung: Das ist kein Grund, Gesunden Aspirin „gegen Demenz“ zu geben. Der Blutungspreis übersteigt in der Breite jeden kognitiven Gewinn. Nur eine genetische Untergruppe zeigt das Signal — und auch dort ist die absolute Differenz klein, die Blutung real. Sekundärprävention nach Infarkt oder Stent bleibt eine andere Indikation. Wer Aspirin schon aus kardiovaskulärem Grund nimmt, gewinnt hier kein Extra-Argument für Demenz. Ohne validierten Score und ohne Blutungsanamnese keine Longevity-Verordnung.

2. Bis zu 45 % Demenzrisiko verschiebbar — WHO-Update

Die WHO hat im Juli 2026 die zweite Ausgabe der Leitlinie zur Demenzrisikoreduktion vorgelegt; Berichte Ende September fassen sie als bis zu 45 % potenziell verhinder- oder verzögerbar. Das deckt sich mit der Lancet-Commission 2024 (14 modifizierbare Faktoren). Dänische Registerkohorte in The Lancet Public Health: Populationsanteil der erfassten Faktoren 37,8 %; Spitze bei Krankenhausinfektionen, Depression und kardiovaskulärer Erkrankung — nach Korrektur für umgekehrte Kausalität noch relevant. Schwerhörigkeit und Sehverlust rücken als soziale Isolationstreiber nach vorn. Fünf Lebensstilfaktoren (Nichtrauchen, ≥150 Minuten Sport, moderater Alkohol, kognitive Aktivität, MIND-Kost) senken in Beobachtungsdaten das Risiko, MIND allein um etwa 25 %. WHO-Leitlinie, Bericht 28.9., Lancet Public Health Dänemark. Einordnung: 45 % ist ein Populationsattribut, kein individuelles Versprechen. Hörgerät, Blutdruck, Diabetes, Rauchstopp und Depression behandeln schlägt jedes Supplement. Infektionen als Demenzfaktor heißen Impfung und schnelle Therapie, nicht „Immunbooster“. Adipositas wirkt in manchen Daten scheinbar schützend — oft weil Gewichtsverlust der Demenz vorausgeht. Prävention startet im mittleren Alter, nicht erst in der Memory Clinic.

3. Schlafdauer sagt Lebenserwartung stärker als oft gedacht

US-Surveys 2019–2025, auf Staatsebene mit Lebenserwartung verknüpft. Weniger als sieben Stunden Schlaf korrelierte in den meisten Bundesstaaten negativ mit der Lebenserwartung — stärker als Ernährung oder Bewegung in diesem Datensatz, nur Rauchen lag darüber. Publikation SLEEP Advances, Einordnung HuffPost 26. September. Parallel: UK-Biobank-SPAN-Analyse, 59.078 Personen, 8,1 Jahre. Optimale Tertile (7,2–8,0 Stunden Schlaf, >42 Minuten moderate bis intensive Bewegung, hohe Ernährungsqualität) plus 9,35 Lebensjahre und plus 9,45 Healthspan-Jahre gegenüber den schlechtesten Tertilen. Schon +5 Minuten Schlaf, +1,9 Minuten Bewegung und +5 Diätpunkte assoziiert mit einem zusätzlichen Lebensjahr. eClinicalMedicine 2026;92:103741. Einordnung: Ökologische Schlafdaten beweisen keine Kausalität — Kranke schlafen schlechter. Die kombinierte SPAN-Schwelle ist trotzdem praxisnah: kleine parallele Schritte, nicht ein heroischer Hebel. Sieben bis acht Stunden und feste Aufstehzeit schlagen Schlaftracker-Optimierung. Bewegung und Kost bleiben notwendig; Schlaf ist der dritte Pfeiler, nicht der Ersatz.

4. Vier Wochen Kostbalance, nicht Kalorienverzicht

Sydney, 104 Personen 65–75 Jahre, vier Wochen voll verpflegt. Vier Arme: halbvegetarisch fett- oder kohlenhydratreich, omnivor fett- oder kohlenhydratreich. Drei Arme senkten das biologische Alter; am deutlichsten die omnivore Kost mit höherem Anteil komplexer Kohlenhydrate und weniger Fett. Weißbrot und Chips sind nicht gemeint. Aging Cell / BBC Science Focus 26.9.. Einordnung: Vier Wochen und eine Uhr sind kein Lebensverlängerungsbeweis. Das Signal stützt „Qualität der Kohlenhydrate“ statt Low-Carb-Dogma im Alter. Protein und Krafttraining bleiben nötig, sonst verliert die kohlenhydratreichere Kost Muskel. Kein einzelnes Muster (mediterran, nordisch, DASH) hat das Monopol — das passt zur Rheinland-Studie, in der mehrere gesunde Scores denselben epigenetischen Pfad teilen.

5. Healthspan hinkt der Lebenserwartung neun Jahre hinterher

Global leben Menschen im Schnitt 73 Jahre, gesund etwa 64 — neun Jahre mit chronischer Krankheit (JAMA Network Open, aufgegriffen UCLA 30. September). Sechs Säulen: Stress, Bewegung, Verzicht auf Nikotin/Alkohol/Drogen, Ernährung, Schlaf, soziale Bindung; dazu kognitive Stimulation. Ab 60 rund 8.000 Schritte und zweimal Kraft pro Woche. UCLA Health. CNN am 30. September: Altern als biologisches Ziel, nicht nur als Wartezimmer der Einzelkrankheiten; FAST sammelt Multi-Omics aus bestehenden Studien, um Biomarker zu testen, bevor Jahrzehnte-Endpunkte da sind. CNN 30.9.. Einordnung: Die Lücke zwischen Lebens- und Gesundheitsjahren ist das eigentliche Ziel, nicht ein epigenetisches Minus. Biomarker beschleunigen Studien, ersetzen aber Blutdruck, Gehen und Hören nicht. Wer Altern „wie eine Krankheit“ behandelt, ohne harte klinische Endpunkte, verkauft eine Hypothese. Die Maßnahmen mit der besten Sicherheitsbilanz bleiben die alten: Bewegung, Schlaf, Rauchstopp, soziale Kontakte, behandelbare Gefäßrisiken.

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