Gastrointestinale Endoskopie
1. Underwater ESD versus Gas-ESD bei kolorektalen Läsionen
Eine multizentrische randomisierte Studie verglich Underwater-ESD (U-ESD, Lumen mit Wasser gefüllt) mit konventioneller Gas-ESD (G-ESD) bei kolorektalen Neoplasien. En-bloc-Resektion war non-inferior (95,3 % vs. 97,3 %). Die mediane Prozedurzeit war kürzer (59 vs. 70 Minuten), die Dissektionsgeschwindigkeit höher und die Rate an major intraprozeduralen Blutungen niedriger (19,6 % vs. 35 %). Auch die Sichtbarkeit war besser, postprozedurale Komplikationen vergleichbar niedrig. Multizentrische RCT. Einordnung: U-ESD bietet bei vergleichbarer onkologischer Effektivität praktische Vorteile bei Zeit, Blutungsrate und Sicht. In der Praxis kann die Technik insbesondere bei größeren oder schwieriger zugänglichen Läsionen eine effiziente Alternative darstellen. Die Umsetzung erfordert Vertrautheit mit der Wasserfüllung; weitere Daten zu Lernkurve und Kosteneffizienz sind wünschenswert. Die Ergebnisse stärken die Rolle technischer Modifikationen zur Verbesserung der ESD-Praktikabilität.
2. ASGE-Leitlinie zur unteren gastrointestinalen Blutung
Die aktualisierte ASGE-Leitlinie 2026 zur Endoskopie bei unterer GI-Blutung (LGIB) verschiebt den Fokus auf einen physiologiebasierten Ansatz. Es gibt keine fixe Zielzeit mehr für die Koloskopie; die Untersuchung soll erfolgen, sobald der Patient stabil genug ist und eine vollständige Vorbereitung toleriert. CT mit Kontrastmittel ist als erste Diagnostik akzeptabel und bei Instabilität bevorzugt. Frühe Koloskopie verbesserte in randomisierten Studien nicht das Überleben oder die Rate an Operationen/Embolisationen. ASGE Guideline / GIE. Einordnung: Die Leitlinie reflektiert die Evidenz, dass Timing der Koloskopie weniger kritisch ist als die hämodynamische Stabilität und die Bildgebung. In der Praxis ermöglicht dies eine flexiblere Ressourcenplanung und priorisiert die CT-Angiographie bei instabilen Patienten. Divertikelblutungen bleiben die häufigste Ursache; endoskopische Optionen wie Bandligatur behalten ihren Stellenwert. Die Empfehlungen unterstützen eine individualisierte, evidenzbasierte Entscheidung.
3. Überwachungsintervalle nach Entfernung von Hochrisiko-Adenomen (NEJM)
Eine große europäische Non-Inferioritätsstudie randomisierte Patienten nach Entfernung von Hochrisiko-Adenomen zu einer ersten Überwachungskoloskopie nach 5 Jahren versus 3 Jahren. In der Interimsanalyse nach 5 Jahren war die kumulative Inzidenz von kolorektalem Karzinom in der 5-Jahres-Gruppe (0,77 %) non-inferior zur 3-Jahres-Gruppe (0,82 %). Das Stadium bei Diagnose und die CRC-Mortalität unterschieden sich nicht wesentlich. NEJM. Einordnung: Die Daten unterstützen eine Verlängerung des Intervalls auf 5 Jahre bei ausgewählten Patienten mit Hochrisiko-Adenomen, ohne erhöhte Karzinominzidenz in der Zwischenanalyse. In der Praxis könnte dies die Überwachungsbelastung reduzieren, vorausgesetzt die Qualität der Index-Koloskopie war hoch. Die finale 10-Jahres-Auswertung bleibt abzuwarten; bis dahin ist eine individualisierte Entscheidung unter Berücksichtigung von Risikofaktoren sinnvoll. Die Ergebnisse tragen zur Debatte über die Intensität der Surveillance bei.
4. Praktische Einordnung
Aktuelle Arbeiten verbessern Effizienz und Sicherheit endoskopischer Resektionen und präzisieren das Management von Blutung und Surveillance. Einordnung: Underwater-ESD, flexible Timing-Strategien bei LGIB und längere Intervalle nach Adenomentfernung können Ressourcen schonen und die Patientenerfahrung verbessern, ohne die onkologische Sicherheit zu kompromittieren. In der Praxis bleibt die Qualität der Endoskopie (ADR, komplette Resektion, Bildgebung) der entscheidende Faktor. Die Daten unterstützen eine evidenzbasierte Individualisierung endoskopischer Strategien.
