Update 27.10.2026

Innere Medizin

1. Endovaskuläre Therapie bei mildem Schlaganfall mit großgefäßverschluss (MILD-MT)

Die chinesische Phase-3-Studie MILD-MT randomisierte Patienten mit mildem ischämischem Schlaganfall (NIHSS < 6) durch anterioren Large-Vessel-Occlusion und relevantem Perfusionsmismatch zu endovaskulärer Therapie (EVT) plus medizinischer Behandlung versus medizinische Behandlung allein, innerhalb von 24 Stunden. Bei 300 ausgewerteten Patienten erreichten 69,4 % im EVT-Arm versus 50,0 % im Kontrollarm nach 90 Tagen ein exzellentes funktionelles Outcome (mRS 0–1; Odds Ratio 2,32; 95 %-KI 1,41–3,81; p < 0,001). Symptomatische intrakranielle Blutungen traten in beiden Armen gleich häufig auf (je 3 Fälle); ernsthafte prozedurale Komplikationen lagen bei 13,2 % im EVT-Arm. Ein Todesfall trat auf. NEJM. Einordnung: Die Daten erweitern die Indikation für die mechanische Thrombektomie auf klinisch milde Präsentationen, sofern bildgebend ein relevantes at-risk-Gewebe vorliegt. Der funktionelle Gewinn ist relevant, muss aber gegen die prozeduralen Risiken abgewogen werden. In der Praxis sollte bei milden Symptomen und LVO eine rasche Perfusionsbildgebung und interdisziplinäre Entscheidung erfolgen; die Studie stammt aus China und muss in anderen Populationen bestätigt werden. Die Ergebnisse stärken die Rolle der erweiterten Bildgebung auch bei niedrigem NIHSS.

2. Tozorakimab zur Prävention von COPD-Exazerbationen (OBERON und TITANIA)

Zwei parallele Phase-3-Studien (OBERON und TITANIA) testeten den IL-33-Antikörper Tozorakimab add-on zur inhalativen Standardtherapie bei COPD-Patienten mit Exazerbationen im Vorjahr. Bei ehemaligen Rauchern sank die annualisierte Rate moderater/schwerer Exazerbationen um 29 % (OBERON, Rate Ratio 0,71) bzw. 34 % (TITANIA, RR 0,66). In der Gesamtpopulation (aktuelle und ehemalige Raucher) lag die Reduktion bei etwa 29–30 %. Der Effekt war über Eosinophilenzahlen hinweg beobachtbar. Die Verträglichkeit war vergleichbar mit Placebo. NEJM. Einordnung: Tozorakimab ist der erste Biologika-Ansatz mit klarer Exazerbationsreduktion in einer breiten COPD-Population einschließlich niedriger Eosinophilen. Das erweitert die therapeutischen Optionen über die bisherigen eosinophilen-gerichteten Therapien hinaus. In der Praxis könnte es bei Patienten mit trotz optimaler Inhalation wiederholten Exazerbationen relevant werden, unabhängig vom Eosinophilenstatus. Zulassung und Leitlinienintegration stehen noch aus; Kosten-Nutzen und Langzeitdaten werden entscheidend sein.

Onkologie

3. Perioperatives Durvalumab plus Enfortumab Vedotin bei muskelinvasivem Blasenkarzinom (VOLGA)

Die Phase-3-Studie VOLGA untersuchte bei cisplatin-ineligiblem oder -verweigerndem muskelinvasivem Blasenkarzinom perioperatives Durvalumab plus neoadjuvantes Enfortumab Vedotin (EV) versus alleinige Zystektomie. Das geschätzte ereignisfreie Überleben nach 24 Monaten betrug 63,5 % versus 45,1 % (HR 0,51; 95 %-KI 0,38–0,67; p < 0,001); das OS nach 24 Monaten lag bei 78,4 % versus 69,4 % (HR 0,58; 95 %-KI 0,40–0,83; p = 0,003). Die Zugabe von Tremelimumab verbesserte das EFS, aber nicht signifikant das OS in der Interim-Analyse. Grad-3+-Ereignisse waren häufiger in den Interventionsarmen. NEJM. Einordnung: VOLGA bestätigt den Nutzen der perioperativen ADC-plus-Checkpoint-Strategie auch mit Durvalumab und erweitert die Optionen für cisplatin-ineligible Patienten. Die Ergebnisse reihen sich in die positive Entwicklung mit EV-basierten perioperativen Regimen ein. In der Praxis wird die Kombination aus neoadjuvantem EV und perioperativem Checkpoint-Inhibitor für geeignete Kandidaten relevant; die Toxizität (insbesondere kutane und neurologische Effekte von EV) erfordert enges Monitoring. Die Daten unterstützen eine individualisierte Entscheidung zwischen verschiedenen Checkpoint-Partnern.

4. Sacituzumab Tirumotecan plus Pembrolizumab bei PD-L1-negativem NSCLC

In einer Phase-3-Studie (OptiTROP-Lung06) verbesserte Sacituzumab Tirumotecan (TROP2-ADC) plus Pembrolizumab das PFS gegenüber Chemotherapie plus Pembrolizumab bei PD-L1-negativem fortgeschrittenem nonsquamösem NSCLC ohne targetable Alterationen (medianes PFS 15,0 vs. 5,7 Monate; HR 0,49; 95 %-KI 0,36–0,65; p < 0,001). Die ORR war ähnlich, die Ansprechdauer länger. Grad-3+-Ereignisse waren seltener im ADC-Arm; Stomatitis war häufig, meist niedriggradig. OS-Daten waren noch unreif (HR 0,58). NEJM. Einordnung: Der Ansatz adressiert eine Subgruppe mit begrenzten Optionen jenseits der Chemo-IO. Die deutliche PFS-Verbesserung bei vergleichbarer Verträglichkeit macht die Kombination attraktiv. In der Praxis könnte sie bei PD-L1-negativen Patienten eine Chemo-freie oder Chemo-sparende Erstlinienoption darstellen, sobald verfügbar. Die Reife der OS-Daten und die Vergleichbarkeit mit anderen ADC-Strategien bleiben abzuwarten.

5. Praktische Einordnung

Die aktuellen Daten verbinden internistische und onkologische Fortschritte: erweiterte Indikationen für die Schlaganfall-Thrombektomie, ein neues Biologikum bei COPD und perioperativ/systemisch wirksame ADC-plus-IO-Kombinationen bei Blasen- und Lungenkarzinom. Einordnung: In der Inneren Medizin gewinnen bildgestützte Entscheidungen und zielgerichtete Entzündungshemmung an Gewicht; in der Onkologie setzen sich ADC-basierte Strategien weiter durch. Die gemeinsame Botschaft ist die Individualisierung durch Biomarker und Bildgebung bei gleichzeitigem Fokus auf harte klinische Endpunkte und Sicherheitsprofile.

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