Update 23.10.2026

Weitere ESMO-2026-Daten

1. NATALEE: 6-Jahres-Daten zu adjuvanter Ribociclib beim HR+/HER2– Mammakarzinom

Die 6-Jahres-Auswertung der Phase-3-Studie NATALEE (LBA25) zeigte ein Gesamtüberleben von 91,86 % versus 89,73 % (HR 0,809; 95 %-KI 0,661–0,989; nominell p = 0,019). Das invasive krankheitsfreie Überleben lag bei 83,23 % versus 77,92 % (HR 0,741). Der absolute iDFS-Gewinn nach 6 Jahren beträgt etwa 5 Prozentpunkte. ESMO Abstract / KOL-Zusammenfassung. Einordnung: Die OS-Daten sind vielversprechend, erreichen aber noch keine formale statistische Signifikanz im klassischen Sinne. Im Vergleich zu monarchE (Abemaciclib) ist der absolute Gewinn moderat. Die Ergebnisse stützen die bestehende Zulassung und die Nutzung bei höherem Risiko, ändern aber die Praxis nicht grundlegend. Die Langzeitverträglichkeit und die optimale Therapiedauer bleiben offene Punkte. Für Patienten mit hohem Rezidivrisiko bleibt die adjuvante CDK4/6-Inhibition eine etablierte Option.

2. KEYNOTE-564: Finale Analyse zur adjuvanten Pembrolizumab beim klarzelligen Nierenzellkarzinom

Die finale protokollspezifizierte Analyse der Phase-3-Studie KEYNOTE-564 (median 85,9 Monate Nachbeobachtung) bestätigte den Benefit von adjuvanter Pembrolizumab nach Nephrektomie bei Hochrisiko-ccRCC. Das DFS lag bei einer HR von 0,68 (7-Jahres-Rate 57,2 % vs. 44,6 %). Das OS lag bei einer HR von 0,70 (7-Jahres-Rate 82,3 % vs. 76,6 %). Es traten keine neuen schweren therapiebedingten Nebenwirkungen auf. OncoAlert / ESMO. Einordnung: Die Langzeitdaten festigen Pembrolizumab als Standard bei Hochrisiko-ccRCC nach Nephrektomie. Der absolute OS-Gewinn nach 7 Jahren beträgt etwa 6 Prozentpunkte. Die Ergebnisse rechtfertigen die bestehende Empfehlung und reduzieren die Unsicherheit hinsichtlich der Dauerhaftigkeit des Benefits. In der Praxis bleibt die Indikation auf Patienten mit erhöhtem Rezidivrisiko beschränkt; eine unselektive Anwendung ist nicht gerechtfertigt.

3. G-HOPE-001 / Arcotatug Tavatecan: CLDN18.2-ADC beim vorbehandelten Magen-/GEJ-Karzinom

In der Phase-3-Studie G-HOPE-001 verbesserte der CLDN18.2-gerichtete ADC Arcotatug Tavatecan das PFS und OS gegenüber der Therapie nach Wahl des Arztes bei vorbehandelten, CLDN18.2-positiven, HER2-negativen Magen-/GEJ-Karzinomen (China/Japan). Die Studie war positiv für den primären Endpunkt PFS und zeigte einen OS-Vorteil. OncLive / ESMO. Einordnung: Die Daten erweitern die CLDN18.2-Optionen jenseits von Zolbetuximab und anderen ADCs. Für die ≥3. Linie bei CLDN18.2-positiven Patienten entsteht eine weitere wirksame Alternative. Die genauen Hazard Ratios und die Verfügbarkeit außerhalb Asiens werden die Positionierung bestimmen. Zusammen mit CLARITY-Gastric01 unterstreicht das Ergebnis die Relevanz von CLDN18.2 als therapeutischem Target im Magenkarzinom.

4. Weitere Signale: PANKU-Breast01 und TroFuse-005

PANKU-Breast01 (bispezifischer HER2/EGFR-ADC Iza-Bren) zeigte Aktivität bei vorbehandeltem HR+/HER2– fortgeschrittenem Mammakarzinom (Lancet-Publikation parallel). TroFuse-005 untersucht Sacituzumab Tirumotecan (TROP2-ADC) versus Chemotherapie bei vorbehandeltem fortgeschrittenem Endometriumkarzinom und wird als präsidialer Abstract präsentiert. KEYNOTE-C93 vergleicht Pembrolizumab versus Chemotherapie in der Erstlinie bei dMMR-Endometriumkarzinom. OncLive / ESMO Preview. Einordnung: Die bispezifischen und TROP2-gerichteten ADCs erweitern das Arsenal im Mammakarzinom und in gynäkologischen Tumoren. Positive Daten würden die Optionen bei vorbehandelten Patienten weiter verbessern. Die Ergebnisse unterstreichen den anhaltenden Trend zu ADCs als Rückgrat in mehreren Entitäten. Die genaue Einordnung hängt von den vollständigen Daten und den Vergleichen mit bestehenden Standards ab.

5. Zusammenfassung der zusätzlichen ESMO-Daten

Neben den präsidialen Überlebensvorteilen liefern die weiteren Abstracts Langzeitbestätigung für adjuvante CDK4/6-Inhibition und Immuntherapie, neue CLDN18.2-ADCs und weitere ADC-Programme in Brust- und Endometriumkarzinom. Einordnung: Die Daten festigen bestehende Standards (Pembrolizumab beim Hochrisiko-ccRCC, Ribociclib adjuvant) und erweitern das Spektrum wirksamer ADCs. Für die Praxis bedeutet das mehr Optionen in der späteren Linie und eine stärkere Evidenz für adjuvante Strategien. Die Implementierung neuer ADCs hängt von Zulassung, Toxizitätsprofil und Verfügbarkeit ab. Insgesamt bestätigt ESMO 2026 den Shift zu molekular stratifizierten, immun- und ADC-basierten Therapien in mehreren großen Indikationen.

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