Neue Studien zum kolorektalem Karzinom 2026

1. Krafttraining und Kreatin nach kolorektalem Karzinom

In dieser kleinen randomisierten Pilotstudie wurde ein zehnwöchiges, teilweise virtuell durchgeführtes Krafttrainingsprogramm mit oder ohne täglich 5 g Kreatin untersucht. Die Teilnahme- und Therapietreue waren mit jeweils über 85 % hoch, und es traten keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse auf. In beiden Gruppen verbesserten sich Muskelkraft und körperliche Leistungsfähigkeit moderat, ein zusätzlicher Nutzen der Kreatinsupplementierung war jedoch nicht nachweisbar. Wegen der sehr kleinen Fallzahl von 27 Teilnehmenden war die Studie nicht ausreichend gepowert, um klinische Wirksamkeitsunterschiede zu zeigen. Die Ergebnisse unterstützen vor allem die Sicherheit und praktische Umsetzbarkeit eines hybriden Krafttrainings nach einer kolorektalen Krebstherapie; eine routinemäßige Kreatineinnahme lässt sich daraus noch nicht ableiten.

2. Surufatinib plus Chemotherapie in der Zweitlinie des metastasierten CRC

Die randomisierte Phase-II-Studie verglich Surufatinib in Kombination mit FOLFOX oder FOLFIRI mit Surufatinib plus FOLFOXIRI. Die Ansprechraten und das progressionsfreie Überleben waren in beiden Gruppen ähnlich. Unter der Doublette wurde jedoch ein längeres medianes Gesamtüberleben von 19,0 gegenüber 10,9 Monaten beobachtet. Gleichzeitig verursachte die Triplette mehr höhergradige Nebenwirkungen, Therapieunterbrechungen und Abbrüche. Aufgrund der kleinen Patientenzahl und des Phase-II-Designs ist der Überlebensunterschied vorsichtig zu interpretieren. Dennoch liefert die Studie keinen Hinweis darauf, dass die Intensivierung auf FOLFOXIRI einen Vorteil bringt. Surufatinib plus Doublette erscheint untersuchenswert, ist derzeit aber kein etablierter Zweitlinienstandard.

3. ELECLA: Neoadjuvante Chemotherapie beim lokal fortgeschrittenen Kolonkarzinom

In der ELECLA-Studie erhielten Patienten mit pMMR-Tumoren und radiologisch lokal fortgeschrittenem Kolonkarzinom entweder zunächst CAPOX beziehungsweise FOLFOX oder eine primäre Operation. Die neoadjuvante Therapie führte zu einer deutlichen Tumorverkleinerung und zu günstigeren histopathologischen Merkmalen. Alle Patienten der neoadjuvanten Gruppe konnten R0-reseziert werden. Das krankheitsfreie Überleben nach zwei Jahren war numerisch besser, der Unterschied jedoch nicht statistisch signifikant. Die Studie bestätigt damit vor allem die Sicherheit und biologische Aktivität der präoperativen Chemotherapie. Aufgrund der kleinen Fallzahl und des vorzeitig beendeten Recruitments bleibt offen, ob sich daraus ein langfristiger Überlebensvorteil ergibt. Bei radiologisch klar definierten Hochrisikotumoren stellt die neoadjuvante Therapie dennoch eine plausible Option dar.

4. CAIRO6: Perioperative Chemotherapie bei resektablen peritonealen Metastasen

CAIRO6 untersuchte, ob eine perioperative systemische Therapie zusätzlich zu CRS-HIPEC das Überleben bei ausschließlich peritoneal metastasiertem kolorektalem Karzinom verbessert. Das mediane Gesamtüberleben betrug 44 Monate mit perioperativer Chemotherapie und 39 Monate nach unmittelbarer Operation; der Unterschied war nicht signifikant. Dagegen waren schwere systemische Toxizitäten häufig, und auch die postoperative Morbidität war numerisch höher. Damit konnte eine routinemäßige perioperative Chemotherapie für alle resektablen Patienten nicht bestätigt werden. Die Ergebnisse sprechen für eine individualisierte Entscheidung anhand von Tumorbiologie, Tumorlast, vorangegangener Therapie und operativer Resektabilität. Besonders wichtig ist, dass eine grundsätzlich mögliche CRS-HIPEC nicht durch eine toxische Vorbehandlung verzögert oder verhindert wird.

5. TESAR: Chemoradiotherapie statt kompletter TME nach lokaler Exzision

Die TESAR-Studie verglich bei lokal exzidierten Hochrisiko-pT1- und Niedrigrisiko-pT2-Rektumkarzinomen eine adjuvante Chemoradiotherapie mit einer nachfolgenden totalen mesorektalen Exzision. Die formale Nichtunterlegenheit der Chemoradiotherapie hinsichtlich lokoregionärer Rezidive konnte nicht gezeigt werden. Allerdings waren die meisten Rezidive erfolgreich durch eine Salvage-Therapie behandelbar. Gesamtüberleben und krankheitsfreies Überleben waren hoch, während die Stomarate nach Chemoradiotherapie mit 2,6 % erheblich niedriger war als nach kompletter TME mit 45,4 %. Auch Morbidität und Lebensqualität sprachen überwiegend für den organerhaltenden Ansatz. Die Ergebnisse rechtfertigen daher eine gemeinsame Entscheidungsfindung mit gut informierten Patienten, sofern eine konsequente Nachsorge und Salvage-Strategie gewährleistet sind.

6. PLEMO: Plenvu versus Moviprep zur Darmvorbereitung

In dieser großen randomisierten Studie wurde eine 1-Liter-Präparation mit Plenvu mit einer 2-Liter-Präparation mit Moviprep verglichen. Plenvu führte häufiger zu einer ausreichenden und zu einer exzellenten Darmreinigung. Gleichzeitig traten Übelkeit und Erbrechen deutlich häufiger auf. Trotzdem waren mehr Patienten bereit, dieselbe Präparation erneut einzunehmen. Bei der Detektion von Polypen, Adenomen, sessilen serratierten Läsionen oder Karzinomen zeigte sich kein Unterschied. Plenvu ist somit hinsichtlich der Reinigungsqualität überlegen, allerdings um den Preis einer höheren gastrointestinalen Belastung. Die Wahl sollte individuell erfolgen, insbesondere bei Patienten mit ausgeprägter Übelkeitsneigung, Aspirationsrisiko oder relevanten Begleiterkrankungen.

7. OPTICAL-2: Cadonilimab plus mFOLFOXIRI beim lokal fortgeschrittenen pMMR/MSS-CRC

Die OPTICAL-2-Studie verglich neoadjuvantes mFOLFOXIRI plus Cadonilimab mit mFOLFOXIRI allein und mFOLFOX6. Die Kombination mit Cadonilimab erhöhte die pathologische Komplettremissionsrate auf 26,8 %, verglichen mit 9,8 % unter mFOLFOX6. Auch die Rate größerer pathologischer Regressionen und das Downstaging waren höher. Die alleinige Intensivierung auf mFOLFOXIRI führte dagegen zu keiner signifikanten Verbesserung der Komplettremissionsrate. Dies ist ein bemerkenswertes Signal für eine Immuntherapie bei ansonsten immunologisch wenig sensitiven pMMR/MSS-Tumoren. Allerdings handelt es sich um eine kleine Phase-II-Studie mit einem Surrogatendpunkt. Daten zu krankheitsfreiem und Gesamtüberleben sowie eine Bestätigung in größeren Studien sind erforderlich, bevor sich Konsequenzen für die Routinebehandlung ergeben.

8. NordICC: Langzeitwirkung einer einmaligen Screeningkoloskopie

Nach 13 Jahren reduzierte das Angebot einer einmaligen Koloskopie die Inzidenz kolorektaler Karzinome signifikant, nicht jedoch die kolorektale Mortalität. Der Effekt war für distale Tumoren deutlicher als für proximale Karzinome. In der Intention-to-screen-Analyse fiel der Nutzen moderat aus, während die Per-Protokoll-Analyse bei tatsächlich koloskopierten Personen eine stärkere Risikoreduktion zeigte. Die fehlende Mortalitätssenkung könnte teilweise durch die unerwartet niedrige Darmkrebsmortalität in der Kontrollgruppe, begrenzte Teilnahme und moderne Diagnostik beziehungsweise Therapie erklärt werden. Die Studie bestätigt, dass Koloskopiescreening Karzinome verhindern kann, zeigt aber auch, dass der absolute Nutzen auf Bevölkerungsebene stark von der Teilnahmequote abhängt.

9. E-PROOF: Proteinaufnahme und Krafttraining bei älteren Krebsüberlebenden

E-PROOF untersuchte ein zwölfwöchiges Onlineprogramm aus individualisierter Ernährungsberatung und betreutem Krafttraining bei älteren Menschen nach kurativer Krebstherapie. Retention, Adhärenz und Akzeptanz waren hoch. Die körperliche Funktion verbesserte sich jedoch sowohl in der Interventions- als auch in der aktiven Kontrollgruppe, ohne signifikanten Gruppenunterschied. Die Kontrollgruppe erhielt ebenfalls gesundheitsfördernde Beratung und Stretching, wodurch ein zusätzlicher Effekt der eigentlichen Intervention schwer nachweisbar war. Zudem bestand die Population überwiegend aus Brustkrebsüberlebenden, sodass die Übertragbarkeit auf Patienten mit kolorektalem Karzinom begrenzt ist. Die Studie belegt vor allem, dass digitale Ernährungs- und Bewegungsprogramme auch bei älteren Krebsüberlebenden praktikabel sind.

10. Hepatische arterielle Oxaliplatin-Infusion nach Resektion multipler Lebermetastasen

Bei Patienten nach Resektion oder Ablation von mindestens vier kolorektalen Lebermetastasen verlängerte eine postoperative hepatisch-arterielle Oxaliplatin-Infusion das mediane leberrezidivfreie Überleben von 12 auf 25 Monate. Auch das gesamte rezidivfreie Überleben war verbessert. Beim Gesamtüberleben zeigte sich lediglich ein numerischer, statistisch nicht signifikanter Vorteil. Höhergradige Nebenwirkungen traten unter der intraarteriellen Therapie deutlich häufiger auf. Die Ergebnisse sind bei dieser Hochrisikopopulation klinisch interessant, stammen aber aus einer kleinen Phase-II-Studie mit weniger als 100 Patienten. Eine Anwendung sollte daher auf erfahrene Zentren und möglichst klinische Studien begrenzt bleiben, bis eine Phase-III-Studie einen Überlebensvorteil bestätigt.

11. COLOR III: Transanale versus laparoskopische TME

Die COLOR-III-Studie berichtet zunächst die kurzfristigen Ergebnisse der transanalen TME im Vergleich zur laparoskopischen TME bei mittleren und tiefen Rektumkarzinomen. Unter TaTME war eine Konversion zur offenen Operation wesentlich seltener. Die postoperative Morbidität und die Qualität der Resektionspräparate waren insgesamt vergleichbar. Die Ergebnisse wurden allerdings in qualitätskontrollierten, erfahrenen Zentren mit vorgeschriebener Schulung erzielt und lassen sich nicht ohne Weiteres auf Kliniken mit geringer TaTME-Erfahrung übertragen. Entscheidend ist außerdem, dass der primäre onkologische Endpunkt, die lokale Rezidivrate nach drei Jahren, noch nicht vorliegt. TaTME kann daher technisch vorteilhaft sein, sollte aber weiterhin an ausreichende Expertise und strukturierte Qualitätssicherung gebunden bleiben.

12. RECAST: FOLFIRI plus Ramucirumab versus FOLFOXIRI plus Ramucirumab

In der RECAST-Studie zeigte die zusätzliche Gabe von Oxaliplatin zu FOLFIRI und Ramucirumab keinen Vorteil. Die objektiven Ansprechraten lagen in beiden Armen bei ungefähr 60 %, und auch das progressionsfreie Überleben war vergleichbar. Unter FOLFIRI plus Ramucirumab waren frühe Tumorverkleinerung und medianes Gesamtüberleben sogar günstiger. Gleichzeitig führte FOLFOXIRI plus Ramucirumab deutlich häufiger zu Neutropenie, febriler Neutropenie und Appetitverlust. Die Triplette stellt somit eine Übertherapie ohne erkennbaren Zusatznutzen dar. Allerdings ist auch FOLFIRI plus Ramucirumab in der Erstlinie kein etablierter Standard und muss gegenüber besser validierten Strategien mit Bevacizumab oder molekular ausgewählten Anti-EGFR-Therapien eingeordnet werden.

13. ATOMIC: Atezolizumab zusätzlich zu FOLFOX beim dMMR-Kolonkarzinom Stadium III

Die Phase-III-Studie ATOMIC zeigte einen deutlichen Vorteil durch die zusätzliche Gabe von Atezolizumab bei reseziertem dMMR-Kolonkarzinom im Stadium III. Das krankheitsfreie Überleben nach drei Jahren betrug 86,3 % unter Atezolizumab plus mFOLFOX6 gegenüber 76,2 % unter alleinigem mFOLFOX6. Das Risiko für Rezidiv oder Tod wurde damit um etwa 50 % reduziert. Dem stand eine höhere Rate schwerer Nebenwirkungen gegenüber, zudem dauerte die Immuntherapie insgesamt zwölf Monate. Daten zum Gesamtüberleben sind noch nicht ausgereift. Dennoch handelt es sich um eine klinisch relevante Phase-III-Studie, die das Potenzial besitzt, den adjuvanten Behandlungsstandard für dMMR-Tumoren im Stadium III zu verändern. Vor einer breiten Umsetzung sind Zulassungsstatus, Leitlinienempfehlungen und längerfristige Sicherheitsdaten zu berücksichtigen.

Wichtig: Manche Ansätze sind noch experimentell. Für eine Teilnahme an Studien sprechen Sie am besten mit Ihrem Onkologen oder schauen auf ClinicalTrials.gov. Auch können sie bei mir einen online Termin buchen und ich werde für Sie prüfen, welche Behandlungsmöglichkeiten für Ihre Darmkrebserkrankung derzeit am besten geeignet sind.

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