Innere Medizin
1. Intermittierende versus kontinuierliche Nierenersatztherapie bei AKI (NEJM)
Eine multizentrische randomisierte Non-Inferioritätsstudie verglich intermittierende Hämodialyse mit kontinuierlicher Nierenersatztherapie (CRRT) bei kritisch kranken Erwachsenen mit akutem Nierenversagen. Intermittierende Dialyse war nicht non-inferior hinsichtlich des primären Endpunkts (90-Tage-Mortalität oder Dialyseabhängigkeit). Weitere Details zu sekundären Outcomes und Komplikationen wurden berichtet. NEJM (Gaudry et al.). Einordnung: Die Ergebnisse stützen weiterhin die Präferenz für CRRT bei hämodynamisch instabilen Intensivpatienten, wenn eine kontinuierliche Behandlung logistisch möglich ist. In der Praxis bleibt die Wahl oft von lokalen Ressourcen und Patientenzustand abhängig; die Studie unterstreicht, dass Äquivalenz nicht angenommen werden sollte. Weitere Subgruppenanalysen und Langzeitdaten zur Nierenfunktion sind relevant für die Leitlinien.
2. Neue Therapien bei IgA-Nephropathie (NEJM)
Mehrere Phase-3-Studien (VISIONARY, ORIGIN 3 u. a.) zeigten positive Ergebnisse für sibeprenlimab, Atacicept und Ravulizumab bei IgA-Nephropathie. Diese Therapien reduzierten die Proteinurie signifikant und stabilisierten in finalen Analysen die eGFR-Slope im Vergleich zu Placebo. NEJM Phase-3-Analysen. Einordnung: Die Daten erweitern die therapeutischen Optionen bei IgA-Nephropathie, einer der häufigsten Ursachen für progressive CKD. In der Praxis könnten diese zielgerichteten Ansätze (APRIL/BAFF-Hemmung, Komplementinhibition) bei Hochrisikopatienten mit persistierender Proteinurie den Progress verlangsamen. Die Integration in die Standardtherapie (SGLT2-Hemmer, RAAS-Blockade) und die Langzeitsicherheit bleiben entscheidend. Die Ergebnisse markieren einen Fortschritt in der gezielten Behandlung glomerulärer Erkrankungen.
Onkologie
3. STRIDE ± Lenvatinib plus TACE bei embolisationsfähigem HCC (EMERALD-3)
Die globale Phase-3-Studie EMERALD-3 randomisierte Patienten mit embolisationsfähigem, nicht resektablem HCC zu STRIDE (Tremelimumab + Durvalumab) plus Lenvatinib plus TACE versus TACE allein. Das mediane progressionsfreie Überleben betrug 13,0 versus 9,8 Monate (HR 0,70; p=0,0007). Das Gesamtüberleben zeigte einen positiven Trend (39,5 vs. 34,7 Monate, HR 0,84). Lancet Oncology. Einordnung: Die Kombination verbessert das PFS signifikant und bietet eine potenzielle neue Option für Patienten, die für TACE geeignet sind. In der Praxis könnte dies die Standard-TACE durch eine immunonkologische und antiangiogene Verstärkung ergänzen. Die OS-Daten sind noch interim; die finale Auswertung wird die klinische Bedeutung klären. Die Ergebnisse stärken die Rolle von Immuntherapie plus lokaler Therapie bei intermediärem HCC.
4. Atezolizumab plus FOLFOX bei Stadium-III-dMMR-Kolonkarzinom (NEJM)
Eine Phase-3-Studie randomisierte Patienten mit reseziertem Stadium-III-dMMR-Kolonkarzinom zu adjuvantem Atezolizumab plus mFOLFOX6 (mit anschließender Atezolizumab-Monotherapie) versus mFOLFOX6 allein. Das 3-Jahres-krankheitsfreie Überleben betrug 86,3 % versus 76,2 % (HR 0,50; p<0,001). Grad-3/4-Nebenwirkungen waren häufiger in der Kombinationsgruppe. NEJM. Einordnung: Die Zugabe von Immuntherapie verbessert das krankheitsfreie Überleben deutlich bei dMMR-Tumoren im adjuvanten Setting. In der Praxis könnte dies den Standard für diese Subgruppe verändern, analog zu den Erfolgen der Immuntherapie bei metastasierten dMMR-Kolonkarzinomen. Die höhere Toxizität erfordert sorgfältige Patientenauswahl und Monitoring. Die Daten unterstreichen den Wert der MMR-Testung auch im frühen Stadium.
