Update II 26.10.2026

Onkologie

1. Tarlatamab plus Durvalumab als Erstlinien-Erhaltung bei extensivem SCLC (DeLLphi-305)

Die Phase-3-Studie DeLLphi-305 (LBA3, ESMO 2026) untersuchte Tarlatamab (DLL3-gerichteter BiTE) plus Durvalumab versus Durvalumab allein als Erhaltungstherapie nach Induktion mit Durvalumab plus Platin/Etoposid bei Patienten mit extensivem Stadium des kleinzelligen Lungenkarzinoms (ES-SCLC), die keinen Progress zeigten. Das mediane OS betrug 21,1 Monate mit der Kombination versus 12,7 Monate mit Durvalumab allein (HR 0,42; 95 %-KI 0,32–0,54; p < 0,001). Das mediane PFS lag bei 7,4 versus 1,9 Monaten (Risikoreduktion ca. 66 %). Der Benefit war über Subgruppen konsistent, einschließlich Patienten mit Hirn- oder Lebermetastasen. Targeted Oncology Recap | Clinical Trials Arena. Einordnung: Dies ist einer der stärksten OS-Signale im ES-SCLC der letzten Jahre und festigt die Rolle der DLL3-gerichteten Therapie über die Zweitlinie hinaus. Die Integration in die Erhaltung nach Chemo-IO-Induktion könnte den Standard verändern. In der Praxis bedeutet das: Bei Patienten mit ES-SCLC ohne Progress nach Induktion sollte die Kombination mit Tarlatamab erwogen werden, sobald verfügbar. Toxizitätsmanagement (insbesondere Zytokin-Release) bleibt entscheidend; die Daten unterstreichen den Wert früher DLL3-Targetierung.

2. Osimertinib plus Savolitinib bei EGFR-mutiertem NSCLC mit MET-Alteration (SAFFRON)

Die Phase-3-Studie SAFFRON (LBA6) verglich Osimertinib plus den MET-Inhibitor Savolitinib mit Platin-Pemetrexed-Chemotherapie bei Patienten mit EGFR-mutiertem fortgeschrittenem NSCLC und MET-Überexpression und/oder -Amplifikation nach Progress auf Osimertinib. Das mediane PFS betrug 7,6 versus 5,4 Monate (HR 0,55; 95 %-KI 0,42–0,72; p < 0,001), das mediane OS 17,8 versus 12,9 Monate (HR 0,68; 95 %-KI 0,50–0,91; p = 0,010). Der Benefit war in den MET-Subgruppen konsistent. EMJ Reviews. Einordnung: SAFFRON adressiert eine häufige Resistenzmechanimus nach Osimertinib (MET) und liefert den ersten klaren OS-Vorteil einer gezielten Kombination in dieser Situation. Die orale Kombination ist klinisch relevant, weil sie eine Chemotherapie-freie Option bietet. In der Praxis sollte bei Progress auf Osimertinib eine MET-Testung erfolgen; bei positivem Befund ist die Kombination eine starke Option. Die Daten unterstützen eine sequenzielle oder kombinierte Strategie bei MET-getriebener Resistenz und unterstreichen die Bedeutung molekularer Re-Biopsien.

3. Weitere relevante ESMO-Signale (Gastric und Melanoma)

Weitere Presidential-Abstracts zeigten OS- oder RFS-Vorteile in anderen Entitäten. Bei fortgeschrittenem Magen-/GEJ-Karzinom berichteten Studien (u. a. CLARITY-Gastric01) über verbesserte Outcomes mit neuen Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten oder zielgerichteten Kombinationen in vorbehandelten Patienten. Im Melanom verbesserte die individualisierte mRNA-Neoantigen-Therapie Intismeran Autogene plus Pembrolizumab das rezidivfreie Überleben nach Resektion (INTerpath-001; HR ca. 0,58). Presidential Symposium Recap. Einordnung: Die Daten unterstreichen die fortschreitende Diversifizierung der Therapielandschaft: ADCs und bispezifische Ansätze gewinnen im GI-Bereich an Bedeutung, während personalisierte Impfstoffe im adjuvanten Melanom reifen. In der Praxis bleiben diese Ansätze vorerst in spezialisierten Zentren oder Studien relevant; sie bestätigen jedoch den Trend zu molekular und immunologisch präzisierten Strategien über die klassischen Checkpoint-Inhibitoren hinaus.

4. Praktische Einordnung

Neben den KRAS-Daten lieferte ESMO 2026 starke Signale bei ES-SCLC (Tarlatamab-Erhaltung) und MET-getriebener EGFR-Resistenz (Osimertinib + Savolitinib). Einordnung: Beide Ergebnisse haben das Potenzial, den jeweiligen Standard zu verschieben – insbesondere dort, wo bisher wenig Optionen bestanden. Für die Praxis bedeutet das: Molekulare Testung (MET, DLL3-Expression) und frühe Integration neuer Modalitäten gewinnen weiter an Bedeutung. Die Ergebnisse müssen noch in Leitlinien und Zulassungen einfließen; bis dahin bleiben sie richtungsweisend für die Sequenzierung und die Auswahl von Kombinationsstrategien.

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