Leistungsport / Fitness
1. Kurze Pausen im Krafttraining: mehr Kraft, gleicher VO₂peak
In einer randomisierten Studie im Rahmen einer 12-wöchigen kardialen Rehabilitation wurden Short-Rest-Interval-Resistance-Training (3/7 RT) und klassisches Multiple-Set-Training (3×9 RT) verglichen, jeweils kombiniert mit Ausdauertraining. Beide Gruppen verbesserten den VO₂peak ähnlich (+3,6 vs. +4,0 ml/kg/min), die Sit-to-Stand-Leistung und die Magermasse. Die isokinetische Quadrizepskraft stieg jedoch deutlicher unter dem kurzen Pausenprotokoll (+23 vs. +11 N·m). Am J Phys Med Rehabil, online 7. Oktober 2026. Einordnung: In der kardiologischen Rehabilitation sind beide Protokolle sicher und wirksam. Das kurze Pausenintervall liefert einen Kraftvorteil ohne Einbußen bei der Ausdauer. Die Wahl sollte sich an der individuellen Gelenkbelastung und der Präferenz der Person orientieren — nicht jede Person verträgt hohe metabolische Lasten bei kurzen Pausen. Für Gesunde und Athleten ist das ein Hinweis, dass Rest-Intervalle nicht nur Recovery, sondern auch Stimulus sind.
2. Tägliche Schritte versus supervisiertes Ausdauertraining bei Asthma
Bei körperlich inaktiven Erwachsenen mit unkontrolliertem mittelschwerem bis schwerem Asthma verbesserte ein behavioral gestütztes Programm zur Steigerung der täglichen Schritte die Asthma-Kontrolle (ACQ) genauso gut wie supervisiertes Laufbandtraining. Nach acht Wochen fiel der ACQ um 1,01 Punkte (Ausdauer) versus 1,46 Punkte (Schritte); die Lebensqualität stieg in beiden Gruppen. Die Schrittzahl im behavioralen Arm stieg von rund 5.200 auf 7.800 pro Tag. Pulmonology. Einordnung: Für viele Patientinnen und Patienten ist der niedrigschwellige Zugang entscheidend. Supervisiertes Training hat höhere Drop-out-Raten, wenn die Anfahrt oder der Zeitaufwand stört. Das Ergebnis bestätigt, dass eine Steigerung der Alltagsbewegung ausreichen kann, solange die Dosis gehalten wird. Bei Asthma bleiben die individuelle Belastungstoleranz und die Medikation die limitierenden Faktoren.
3. HIIT-Dosis: 11 Minuten für den Großteil des VO₂max-Gewinns
Eine Meta-Analyse in Sports Medicine modellierte die Dosis-Wirkungs-Beziehung von Session-Dauer auf die kardiorespiratorische Fitness. 80 % des maximalen Effekts von HIIT wurden bei etwa 11 Minuten pro Einheit erreicht; bei moderatem Ausdauertraining (MICT) waren es etwa 52 Minuten. Über 69 randomisierte Vergleiche lag der VO₂max-Vorteil von HIIT bei +1,20 ml/kg/min. Auf Blutdruck, Körperfett und Stoffwechselmarker unterschieden sich die Modalitäten nicht. Einordnung: Die Kurve für HIIT steigt steil und flacht ab etwa 23 Minuten ab. Mehr Zeit bringt wenig zusätzlichen VO₂max-Gewinn, erhöht aber die Ermüdung. Das spricht für Qualität vor Quantität: zwei bis drei kurze HIIT-Einheiten pro Woche plus lockeres Volumen. Für Leistungsportler gilt der Hinweis, dass die Daten überwiegend aus wenig trainierten Kohorten stammen; bei bereits hohen VO₂max-Werten sind die absoluten Zugewinne kleiner.
4. Strukturiertes Training und Überleben bei Krebs
Eine Metaanalyse randomisierter Studien im British Journal of Sports Medicine deutet darauf hin, dass strukturierte Trainingsprogramme bei Erwachsenen mit gesicherter Krebserkrankung nicht nur Lebensqualität und Funktion verbessern, sondern möglicherweise auch das Überleben verlängern können. Das Deutsche Ärzteblatt berichtete am 7. Oktober. Deutsches Ärzteblatt / BJSM. Parallel zeigte eine Studie in JAMA Network Open, dass dreimonatiges Krafttraining nach COVID-19 die Gehstrecke, Griffkraft, Lebensqualität und depressive Symptome verbessert. Einordnung: Die Evidenz für Bewegung als supportive Maßnahme wächst. Die Metaanalyse ist kein Freibrief für unüberwachtes Hochintensivtraining unter Chemotherapie; sie stützt individualisierte, progressive Programme. Adhärenz und Sicherheit (Infektabwehr, Knochen, Herz) bleiben die limitierenden Faktoren. Krafttraining nach Infektion ist ein pragmatischer Einstieg, wenn Ausdauer noch nicht toleriert wird.
5. Recovery, Schlaf und Bildschirmzeit
Mehr als zwei Drittel der Deutschen schlafen laut AOK-Forsa-Umfrage weniger als sieben Stunden. Die häufigsten Folgen: Müdigkeit, reduzierte Belastbarkeit und verminderte Leistungsfähigkeit. Eine Studie zur Smartphone-Nutzung zeigte, dass die Kombination aus reduzierter Bildschirmzeit und zusätzlicher Bewegung die stärksten Effekte auf depressive Symptome und Work-Life-Balance hatte. Deutsches Ärzteblatt. Einordnung: Im Leistungsport ist Schlaf der unterschätzte Trainingsreiz. Chronischer Schlafmangel limitiert Kraftzuwachs, Regenerationsgeschwindigkeit und Verletzungsresistenz. Abendliche Bildschirmzeit und Bewegung konkurrieren miteinander. Feste Schlafzeiten und klare Grenzen für Bildschirmnutzung sind oft wirksamer für die Leistungsfähigkeit als das nächste Supplement.
