Innere Medizin
1. Krebsinzidenz nach Geschlecht: Lifestyle erklärt nicht überall gleich viel
Li, Tan, Shen et al. in JAMA Oncology (online 24. September 2026, DOI 10.1001/jamaoncol.2026.3747) vergleichen, wie stark modifizierbare Lebensstilfaktoren und Vorerkrankungen den Geschlechtsunterschied der Krebsinzidenz tragen. In China erklären Lifestyle-Faktoren einen größeren Teil der Lücke als im Vereinigten Königreich – Prävention muss populationsspezifisch sein, nicht als Einheitsrezept. Kurzfassung: Medscape.
2. Mikrobiom und hormonabhängige Tumoren
Neue Arbeiten deuten, dass das Darmmikrobiom hormonabhängige Karzinome nicht nur über Estrogenstoffwechsel beeinflusst. Das öffnet internistisch-onkologische Fragen zu Antibiotika, Stoffwechsel und möglichen adjuvanten Strategien – noch ohne Leitlinienwechsel (Medscape Global, 24. September).
Onkologie
3. FDA: Belzutifan plus Lenvatinib beim klarzelligen Nierenzellkarzinom
Am 24. September 2026 ließ die FDA Belzutifan (Welireg) plus Lenvatinib (Lenvima) für fortgeschrittenes ccRCC nach PD-1/PD-L1-Therapie zu. Vorteil gegenüber Cabozantinib bei PFS und Ansprechen. Einordnung: Targeted Oncology.
4. Blase: perioperativ Durvalumab plus Enfortumab-Vedotin
Die Kombination aus Durvalumab und Enfortumab-Vedotin verbesserte EFS und OS beim muskelinvasiven Blasenkarzinom und erhält FDA-Priority-Review; Entscheidung im vierten Quartal 2026 erwartet (25. September). Unabhängig davon ist EV plus Pembrolizumab in den USA bereits als perioperatives Regime bei Zystektomie-Kandidaten zugelassen.
5. Lunge: HARMONi, KRAS, SCLC-Rückzug
In der globalen Phase-3-Studie HARMONi senkte Ivonescimab plus Chemotherapie gegenüber alleiniger Chemotherapie das Risiko für Progress oder Tod um 48 % bei EGFR-mutiertem NSCLC nach TKI (medianes PFS 6,8 vs. 4,4 Monate). Publikation: The Lancet Oncology / MD Anderson. Divarasib (KRAS G12C der nächsten Generation) verbessert PFS und OS gegenüber Sotorasib/Adagrasib – Anlass für Dosisfragen unter Project Optimus (ASCO Post, 25. September). Daiichi Sankyo und Merck ziehen die BLA für Ifinatamab-Deruxtecan beim vorbehandelten ES-SCLC zurück: Phase-2-Daten (IDeate-Lung01) reichen der FDA nicht für eine beschleunigte Zulassung.
6. Myelom IMS Tag 3, Darm, Hirn
Etentamig übertraf in der Phase-3-Studie CERVINO die Standardtherapie bei rezidiviertem/refraktärem Myelom in Ansprechen und Überleben (IMS 2026, Day 3). Trastuzumab-Rezetecan verbesserte das PFS gegenüber Standardtherapie beim chemotherapierefraktären HER2-positiven, RAS/RAF-Wildtyp-Darmkrebs (ASCO Post). Der NHS testet einen schnellen genomischen Hirntumor-Test: Ergebnisse intraoperativ unter zwei Stunden statt Wochen (Medscape UK).
7. Epidemiologie
Der aktuelle US-Jahresbericht zeigt weiter sinkende Krebssterblichkeit, vor allem durch weniger Lungenkrebs, weniger Rauchen und mehr Screening; ländliche Regionen und Gruppen mit niedriger Bildung bleiben zurück (Annual Report / Targeted Oncology). ASTRO 2026 läuft ab 26. September (Strahlentherapie, Deeskalation, Hirnmetastasen).
Prävention / Longevity
1. Einsamkeit kostet gesunde Jahre
Qi et al. werten in Nature Communications über 270.000 Erwachsene (40–69 Jahre) aus: Einsamkeit und soziale Isolation hängen mit rund sechs weniger krankheitsfreien Lebensjahren zusammen. Ab 50 Jahren sind die Verluste sichtbar; Frauen verlieren eher körperliche und psychische Gesundheitsjahre anders gewichtet als Männer (körperlich 2,4 vs. 1,7 Jahre, psychisch 3,7 vs. 5,8 Jahre). Das ist Observativ, aber für Prävention so relevant wie Blutdruck: Beziehung und Teilhabe sind messbare Endpunkte, keine Soft Skills.
2. Leber-Wachstumshormon, SASP im Blut
Zwei Aging Cell-Arbeiten vom 26. September: Der gezielte Verlust des Wachstumshormonrezeptors nur in Hepatozyten verkürzt die Lebensspanne der Maus und beschleunigt Seneszenz, kognitive Einbußen, schlechtere Knochenmineralisierung und Entzündung. Systemische GH-Reduktion gilt sonst oft als langlebigkeitsfreundlich – hier zählt das Gewebe. Pharmakologische PDK4-Hemmung kehrte viel des Schadens um. Zweitens: ein SASP-Score aus 38 seneszenzassoziierten Sekretproteinen im Blut (UK-Biobank-Proteomik, Autoencoder) trackt Seneszenzlast und Mortalität. Übersicht: The Longevity Leaders.
3. Mitochondrien, Kreatin, Ovar
BNIP3, ein Regulator der Mitochondrienqualität, steigt im alternden Herzen und stört die Energieverarbeitung; Mitochondrien-Transplantation dämpfte diesen Anstieg im Modell (Lifespan.io, 24. September). Kreatinsupplementierung erhielt und steigerte fettfreie Masse auch ohne Training und verstärkte den Effekt von Diät plus Bewegung (25. September) – praktisch für Immobilisation, nicht als Ersatz für Kraft. Laufbandtraining verzögerte in Mäusen die ovarielle Alterung über Adiponektin; Rezeptoragonisten verlängerten die reproduktive Spanne pharmakologisch.
4. Beruf, Schlaganfall, Immunalterung
Instabile Erwerbsverläufe in der Lebensmitte hängen mit vorzeitig gealtertem Gehirn zusammen (HealthDay, 25. September). US-Daten über fast drei Jahrzehnte zeigen nahezu verdoppelte Schlaganfallraten bei jüngeren Erwachsenen – internistisch Prävention schon vor 50. Fight Aging! diskutiert einen gemeinsamen Mechanismus für den Funktionsverlust von Typ-1-dendritischen Zellen bei Altern, Krebs und chronischer Infektion (25. September): die „Lehrerzelle“ des adaptiven Systems verstummt.
5. Kleine kombinierte Dosen
Koemel, Stamatakis et al., eClinicalMedicine 2026;92:103741 (UK Biobank, n≈59.000, 8,1 Jahre): Optimales Bündel (7,2–8,0 h Schlaf, >42 min MVPA/Tag, hoher Diät-Score) entspricht etwa +9,4 Jahren Lebens- und Healthspan gegenüber dem ungünstigsten Tertil. Schon +5 min Schlaf, +1,9 min MVPA und +5 Punkte Diätqualität (z. B. eine halbe Portion Gemüse) hängen mit +1 Lebensjahr zusammen. Einzeln braucht jede Säule viel mehr; kombiniert sinkt die Dosis.
Praxis: Kontakt halten, Kraft oder Kreatin bei Immobilisation, Schlaf plus zwei Minuten zügiges Gehen plus eine extra Gemüseportion. SASP-Scores und Leber-GH bleiben Forschung, kein Check-up-Set.
