Onkologie Die FDA hat Camizestrant (plus CDK4/6-Inhibitor) für ESR1-mutiertes HR+/HER2– fortgeschrittenes Mammakarzinom zugelassen. Die beschleunigte Zulassung erlaubt einen Wechsel der endokrinen Therapie, sobald die Resistenzmutation nachgewiesen wird – ohne erst auf Progress zu warten. Begleitend wurde der Guardant360 CDx-Test als Companion Diagnostic zugelassen.
Eine kanadische Studie (POWER) zeigt, dass breitere genomische Panels (statt enger tumorspezifischer Tests) bei fortgeschrittenen soliden Tumoren bei fast 80 % der Patient:innen mindestens eine klinisch relevante Variante finden und bei knapp 28 % erstmals eine zielgerichtete Therapieoption eröffnen. 18 % der Teilnehmenden erhielten dadurch Zugang zu Studien oder Off-Label-Therapien.
Weitere aktuelle Meldungen: Ein 7-microRNA-Panel aus Exosomen könnte frühe Lebermetastasen beim Pankreaskarzinom vorhersagen. Zudem wird diskutiert, dass bestimmte seltene Immunzellen bei Hochaltrigen mit erhöhter Krebsresistenz assoziiert sind – das Immunsystem scheint sich im extremen Alter teilweise anzupassen. Gleichzeitig steigt die alkoholbedingte Krebssterblichkeit in den USA weiter (vor allem Leberkrebs).
Im NEJM erschienen zudem Daten zu Daraxonrasib bei RAS-mutiertem NSCLC sowie zu Azacitidin + Venetoclax, das bei AML gegenüber klassischer Induktionschemotherapie ein längeres ereignisfreies Überleben bei weniger schweren Infektionen und Blutungen zeigte.
Innere Medizin Real-World-Daten: Semaglutid reduzierte Asthma-Exazerbationen um bis zu 40 %. Gleichzeitig berichtete STAT über starke Phase-III-Ergebnisse eines experimentellen COPD-Präparats von AstraZeneca. Weitere aktuelle Themen aus der Pneumologie/Intensivmedizin umfassen Tozorakimab bei COPD-Exazerbationen unabhängig vom Eosinophilen-Spiegel sowie anhaltendes Herzinsuffizienzrisiko nach STEMI.
Bei CED (IBD) ist das Krebsrisiko unter verschiedenen fortgeschrittenen Therapien (TNF-Blocker, Vedolizumab, Anti-IL, JAK-Inhibitoren) vergleichbar niedrig. Ein Einzelfallbericht beschreibt eine seltene Ketoazidose nach einer einzigen Dosis Tirzepatid bei einer nicht-diabetischen Frau.
Prävention und Longevity Zwei besonders beachtete Entwicklungen:Rentosertib (Insilico Medicine): Das KI-generierte Medikament (ursprünglich gegen idiopathische Lungenfibrose) senkte in einer Phase-IIa-Studie mit 42–43 Patient:innen über 12 Wochen das vorhergesagte biologische Alter konsistent über sechs unabhängige proteomische Aging Clocks. Der Effekt war dosisabhängig und am stärksten bei 30 mg BID (teilweise 3–6 Jahre „jünger“ auf einzelnen Uhren). Die Placebogruppe zeigte kaum Veränderung. Die Daten erschienen in Nature Biotechnology. Eine Phase-III-Studie läuft bereits. Die Autoren und Kommentatoren (u. a. Vadim Gladyshev) sehen darin einen Proof-of-Concept, Aging-Biomarker in Standardstudien einzubauen. Einschränkungen: kleine Kohorte, IPF-Patient:innen, Debatte um die Validität von Aging Clocks.
GLP-1-Agonisten (Semaglutid): Eine Nature-Studie an älteren weiblichen Mäusen zeigte, dass Semaglutid (Ozempic/Wegovy-Wirkstoff) mehrere Hallmarks of Aging verbesserte (Entzündung, Seneszenz, Mitochondrien, Stammzellen) und die mediane Lebensspanne um ca. 12 % verlängerte (834 vs. 742 Tage). Die Tiere hatten bessere Gedächtnis-, Motorik- und Muskelwerte. National Geographic und weitere Medien diskutieren, ob GLP-1-Präparate geroprotektiv wirken könnten – über die bekannten kardiovaskulären, renalen und metabolischen Effekte hinaus. Humandaten zur Lebensverlängerung fehlen noch.
