Diese Folge hält sich an das, was oder prominent veröffentlicht wurde – vor allem im New England Journal of Medicine und in der onkologischen Fachberichterstattung. Kein individueller Rat. Entscheidungen bleiben beim Behandlungsteam vor Ort.
AML: weniger Intensität, besseres Ergebnis Die wichtigste internistisch-onkologische Originalarbeit des Tages kommt aus Mass General Brigham und erscheint heute im NEJM.Erwachsene mit neu diagnostizierter akuter myeloischer Leukämie wurden randomisiert: klassische Induktionschemotherapie gegen die weniger intensive Kombination Azacitidin plus Venetoclax. Ergebnis: Unter Aza-Ven war das ereignisfreie Überleben mehr als doppelt so lang – also Zeit bis Therapieversagen, Rückfall, Verschlechterung oder Tod. Schwere Infektionen und Blutungen kamen seltener vor. Das verschiebt die alte Logik „jung und fit immer intensiv“. Bei vielen Erwachsenen, auch jenseits der klassischen intensiven Kohorte, wird die hypomethylierende Therapie plus BCL2-Hemmung zum ernsthaften Erstlinienstandard – nicht nur zur Ausweichoption.Cave: Venetoclax ist kein Allheilmittel in jeder Lymphom-Konstellation. Eine heute berichtete Phase-2-Auswertung bei neu diagnostiziertem Double-Hit-Lymphom deutet darauf hin, dass die Zugabe von Venetoclax zur Chemoimmuntherapie die Ergebnisse dort eher verschlechtert. Substanz gleich, Kontext entscheidend.
Daraxonrasib jetzt auch in der Lunge Gestern stand Daraxonrasib für das Pankreaskarzinom im Mittelpunkt. Heute legt das NEJM Phase-1/2-Daten beim RAS-mutierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom nach – ebenfalls von MD Anderson mitgeführt.In vorbehandelten Patientinnen und Patienten zeigte der orale RAS-ON-Inhibitor dauerhafte Remissionen. Mehr als 30 Prozent objektives Ansprechen. Grad-3-und-höher-Nebenwirkungen bei etwa 54 Prozent, vor allem Pneumonie, Durchfall und Hautausschlag.Praktisch: RAS ist nicht mehr „undruggable“. Nach der Pankreas-Zulassung in den USA Ende August wird die Substanz zur Plattform über Entitäten. In Deutschland weiter: Studien, Zentren, noch keine breite Versorgung
EU-Brustkrebs und HER2-oberer GI-Trakt, Nachhall Die EU-Zulassung von Trastuzumab-Deruxtecan plus Pertuzumab in der Erstlinie des HER2-positiven metastasierten Mammakarzinoms bleibt das regulatorische Thema der Woche. DESTINY-Breast09: progressionsfreies Überleben 40,7 gegen 26,9 Monate, Risikoreduktion 44 Prozent.Parallel bleibt Zanidatamab plus Chemotherapie mit oder ohne Tislelizumab nach der US-Zulassung Ende August das Thema beim HER2-positiven gastroösophagealen Adenokarzinom. Medianes Gesamtüberleben im Triplett 26,4 gegen 19,2 Monate. In Europa läuft die Bewertung; Off-Label-Anträge der DGHO sind bereits sichtbar.
Prävention und Innere Medizin außerhalb der Tumortherapie Karolinska Institutet: Menschen mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung und mehreren nahen Verwandten mit kolorektalem Karzinom haben ein deutlich höheres eigenes Darmkrebsrisiko. Das ist heute peer-reviewed in Gastroenterology. Konsequenz: Familiengeschichte bei CED nicht als Randnotiz führen, Überwachungsintervalle individualisieren.
Zweite internistische NEJM-Arbeit von heute: Kinder im septischen Schock, balancierte Kristalloide gegen 0,9-prozentige Kochsalzlösung. Kein signifikanter Unterschied bei Tod, neuer Nierenersatztherapie oder anhaltender Nierenfunktionsstörung. Für die Erwachsenen-Intensivmedizin ändert das die große Flüssigkeitsdebatte nicht schlagartig – es relativiert aber die Erwartung, dass „balanced always better“ in jeder Population gilt.
Drittens, noch im Nachklang des ESC: STAREE bleibt das Präventionsthema. Atorvastatin 40 Milligramm senkt bei über 70-Jährigen ohne bekannte Herzkrankheit schwere kardiovaskuläre Ereignisse um relativ 30 Prozent, ohne den kombinierten Endpunkt Leben ohne Demenz und Behinderung zu verbessern.
Versorgung und frühe Wissenschaft Aus den USA wird erneut ein Engpass bei Ifosfamid gemeldet. Alte Generika, fragile Lieferketten, Rationierung in Zentren. Für Deutschland kein identisches Bild, aber die Lehre bleibt: Hochpreisige Innovationen und fehlende Basiszyostatika können gleichzeitig existieren.
In Nature: ein synthetischer IL-9-Rezeptor auf T-Zellen – im Mausmodell tumorwirksam ohne vorherige Chemo- oder Strahlen-Lymphodepletion. Faszinierend für die Zelltherapie, klinisch noch weit weg. Beim Ovarialkarzinom kursieren weiter die PYNNACLE-Daten zu Rezatapopt bei TP53-Y220C mit 46 Prozent Ansprechen und die experimentelle p53-Entaggregationsstrategie ReACp53. Beides Forschungsstand, keine Praxisänderung für morgen.
