Update 02.09.2026

Guten Tag und herzlich willkommen zu einer neuen Folge. Ich fasse für Sie die wichtigsten aktuellen Entwicklungen aus Innerer Medizin und Onkologie zusammen – Zulassungen, große Studien und das, was in den nächsten Wochen relevant werden könnte.

Wie immer gilt: Das ist eine Übersicht für Interessierte und Fachleute, kein individueller Behandlungsrat. Entscheidungen trifft immer das behandelnde Team vor Ort.

Wir starten mit dem Thema, das gerade die Onkologie am stärksten bewegt.

Pankreaskarzinom / Daraxonrasib Beim metastasierten Pankreaskarzinom galt lange: Die Prognose bleibt trotz Chemotherapie sehr schlecht. Jetzt gibt es ein Medikament, das genau diese Lücke schließen soll.

Die US-amerikanische FDA hat Ende August Daraxonrasib zugelassen – Handelsname in den USA: Rasonque. Es handelt sich um einen oralen RAS-ON-Inhibitor. Er greift nicht nur einzelne Mutationen wie G12C an, sondern breiter die aktive Form von RAS – einem der zentralen Treiber dieser Erkrankung.

Grundlage ist die Phase-3-Studie RASolute-302. Bei vorbehandelten Patienten mit metastasiertem duktalem Adenokarzinom der Bauchspeicheldrüse lag das mediane Gesamtüberleben unter Daraxonrasib bei 13,2 Monaten, unter Chemotherapie bei 6,7 Monaten. Das Risiko zu sterben war um etwa 60 Prozent reduziert. Die Daten wurden auf dem ASCO 2026 mit stehendem Applaus aufgenommen.

In Deutschland ist das Präparat noch nicht zugelassen. Die europäische Bewertung läuft. Für Patientinnen und Patienten hierzulande bedeutet das aktuell: Teilnahme an Studien, Härtefallprogramme oder – sobald verfügbar – importierte Versorgung über spezialisierte Zentren. Die ZEIT hat das Thema heute prominent aufgegriffen: Für viele ist es ein Wettlauf gegen die Zeit.

Wichtig bleibt die Einordnung: Es ist ein Fortschritt für eine besonders schwierige Erkrankung, aber kein Heilmittel für alle. Resistenzmechanismen werden bereits untersucht.

Brustkrebs: EU-Zulassung T-DXd plus Pertuzumab Ebenfalls ganz aktuell, Stand heute: Die Europäische Kommission hat Trastuzumab-Deruxtecan – bekannt als Enhertu oder T-DXd – plus Pertuzumab als Erstlinientherapie beim HER2-positiven, nicht resektablen oder metastasierten Mammakarzinom zugelassen.

Die entscheidende Studie heißt DESTINY-Breast09. Das progressionsfreie Überleben lag im Median bei 40,7 Monaten unter T-DXd plus Pertuzumab gegenüber 26,9 Monaten unter der bisherigen Standardkombination aus Taxan, Trastuzumab und Pertuzumab. Das entspricht einer Risikoreduktion für Progression oder Tod von 44 Prozent.

Die Ansprechraten waren hoch, über 80 Prozent in beiden Armen, mit Vorteil für die Antikörper-Wirkstoff-Kombination. Die ESMO-Leitlinien hatten das Regime bereits als Kategorie-IA-Option aufgenommen – unabhängig vom Hormonrezeptorstatus.

Für die Praxis heißt das: Beim HER2-positiven metastasierten Brustkrebs verschiebt sich der Standard weiter in Richtung ADC plus duale HER2-Blockade. Interstitielle Lungenerkrankung bleibt die wichtigste zu überwachende Nebenwirkung.

Magen und gastroösophagealer Übergang Ein drittes HER2-Thema: Zanidatamab. Die FDA hat Ende August zwei Regimes für die Erstlinie beim HER2-positiven fortgeschrittenen Magen-, GEJ- oder Ösophagusadenokarzinom zugelassen – einmal mit Chemotherapie allein bei stark HER2-positiven Tumoren, einmal plus Tislelizumab bei IHC 3+ oder IHC 2+/ISH-positiv.

Aktualisierte Überlebensdaten der HERIZON-GEA-01-Studie zeigen einen Vorteil gegenüber Trastuzumab plus Chemotherapie. In Deutschland und Europa wird die Bewertung folgen. Für Zentren mit hohem Anteil an HER2-positiven oberen GI-Tumoren ist das ein wichtiges Signal, die Testung konsequent durchzuführen.

Kurz noch zwei weitere onkologische Meldungen vom heutigen Tag: Rezatapopt, ein zielgerichteter Wirkstoff gegen die TP53-Y220C-Mutation, zeigte in der PYNNACLE-Studie eine objektive Ansprechrate von 46 Prozent beim Ovarialkarzinom. Eine FDA-Einreichung wird für Anfang 2027 erwartet. Und bei EGFR-mutiertem NSCLC mit hoher MET-Expression verbessert Savolitinib plus Osimertinib in der SANOVO-Studie das progressionsfreie Überleben in der Erstlinie.

Innere Medizin: Statine im Alter Nun zur Inneren Medizin, konkret Kardiologie und Prävention.

Auf dem ESC-Kongress in München und zeitgleich im New England Journal of Medicine erschienen die Ergebnisse der STAREE-Studie. Fast 10.000 Menschen ab 70 Jahren ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung, ohne Diabetes und ohne Demenz wurden randomisiert: Atorvastatin 40 Milligramm oder Placebo.

Nach im Median 5,9 Jahren trat ein schweres kardiovaskuläres Ereignis – kardiovaskulärer Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Revaskularisation – bei 6,0 Prozent unter Statin und bei 8,3 Prozent unter Placebo auf. Relative Risikoreduktion: 30 Prozent. Hazard Ratio 0,70.

Der zweite primäre Endpunkt, das überlebensfreie Intervall ohne Demenz und ohne bleibende körperliche Behinderung, war nicht signifikant unterschiedlich.Was bedeutet das klinisch? Statine senken auch bei gesunden über 70-Jährigen eindeutig Herzinfarkte und Schlaganfälle. Sie verlängern aber in dieser Studie nicht messbar das Leben ohne Demenz oder Pflegebedürftigkeit. Muskelschmerzen, leichte Leberwertveränderungen und etwas mehr Diabetes-Diagnosen kamen unter Atorvastatin häufiger vor, schwere Nebenwirkungen insgesamt selten und gleich häufig.

Die Diskussion in den Leitlinien wird jetzt beginnen: Wer profitiert wirklich, wie hoch ist die Number needed to treat über sechs Jahre, und wie individuell entscheidet man bei multimorbiden, gebrechlichen Patienten, die in STAREE unterrepräsentiert waren.

Extra – Autoimmunität Zwei kurze Hinweise aus der Immunologie, die Internisten und Onkologen gleichermaßen interessieren.Erstens Multiple Sklerose: Ein Team mit Beteiligung aus Innsbruck und Zürich hat in einer kleinen ersten klinischen Studie eigene rote Blutkörperchen verwendet, an die Myelin-Peptide gekoppelt waren. Ziel ist immunologische Toleranz statt dauerhafter Immunsuppression. Die Verträglichkeit war gut, erste Zeichen regulatorischer T-Zellen waren nach drei Monaten nachweisbar. Noch sehr früh, aber konzeptionell spannend.

Zweitens rheumatoide Arthritis: Eine Phase-1-Studie der Charité mit einer CAR-T-Zelltherapie zeigte bei schwer vorbehandelten Patientinnen und Patienten eine starke B-Zell-Depletion, deutlichen Abfall der ACPA-Antikörper und bei einem Teil sogar monatelange medikamentenfreie Remission. Das Sicherheitsprofil war akzeptabel. Auch das ist noch frühe Phase, zeigt aber, wie onkologische Zelltherapien in die Autoimmunmedizin wandern.

Ausblick und Schluss Vom 23. bis 27. Oktober 2026 findet der ESMO-Kongress in Madrid statt. Dort erwarten wir weitere Reifungsdaten zu ADCs, RAS-Inhibitoren, perioperativen Strategien und digitalen Symptom-Monitorings.Das war der Überblick vom 2. September 2026.

Bleiben Sie kritisch, bleiben Sie neugierig – und sprechen Sie neue Optionen immer mit dem zuständigen Behandlungsteam ab.

Bis zur nächsten Folge.

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