Nicht das tägliche Schlucken einer „Anti-Aging-Pille“, sondern ein gesunder Lebensstil ist der Schlüssel zu einem gesunden Alter. Das zeigt eine langjährige amerikanische Studie zu den Langzeiteffekten von Metformin – einem Medikament, mit dem Biohacker und Langlebigkeits-Enthusiasten seit Jahren ihre Alterung aufhalten wollen. Metformin, ein bewährtes Diabetes-Medikament, wurde in den letzten Jahrzehnten von der aus den USA kommenden Anti-Aging-Bewegung begeistert aufgenommen. Menschen, die mit Pillen, Supplements und anderen Hacks ihre Lebensspanne maximieren wollen, schwören darauf. In Experimenten mit Würmern und manchen Mäusen zeigte es tatsächlich lebensverlängernde Effekte. Auch Diabetiker, die Metformin einnehmen, hatten in früheren Studien eine um etwa 30 % höhere Chance, 90 Jahre alt zu werden. Eine neue, große Studie, die diese Woche im Fachjournal JAMA veröffentlicht wurde, nimmt der Pillen-Hoffnung jedoch den Wind aus den Segeln.
Amerikanische Forscher haben die Daten des berühmten Diabetes Prevention Program (DPP) und seiner langfristigen Nachbeobachtung (DPP Outcomes Study) ausgewertet. Über 3.200 Menschen mit Prädiabetes wurden ursprünglich randomisiert in drei Gruppen eingeteilt:
- Intensive Lebensstilintervention (Ernährungsumstellung + mehr Bewegung + Gewichtsabnahme)
- Metformin (850 mg zweimal täglich)
- Placebo
Nach dem Ende der ursprünglichen Studie (nach ca. 3 Jahren) lief die Beobachtung weiter – teilweise über mehr als 20 Jahre. Für die aktuelle Analyse standen Medicare-Daten von 1.173 Teilnehmern bis 2021 zur Verfügung (medianes Alter bei Auswertung: 74 Jahre).
Multimorbidität (mindestens zwei chronische Erkrankungen) trat in allen Gruppen häufig auf – aber mit deutlichen Unterschieden:
- Lebensstil-Gruppe: 82 % entwickelten ≥ 2 chronische Erkrankungen, 72 % sogar ≥ 3.
- Metformin-Gruppe: 85 % bzw. 81 %.
- Placebo-Gruppe: 87 % bzw. 81 %.
Nach statistischer Adjustierung war das Risiko für Multimorbidität in der Lebensstil-Gruppe signifikant niedriger (Hazard Ratio 0,79). Bei Metformin gab es keinen Unterschied zu Placebo (Hazard Ratio 0,91).Besonders deutlich wurde der Vorteil bei den teuersten und schwerwiegendsten Krankheitskombinationen (z. B. Schlaganfall + Herzinsuffizienz, COPD + Nierenerkrankung): Hier reduzierte der Lebensstil das Risiko um beeindruckende 43 % (HR 0,57). Metformin zeigte auch hier keinen Effekt.
Sogar bei Diabetes selbst gewinnt der Lebensstil langfristig. Ironischerweise war Metformin auch bei der eigentlichen Indikation (Diabetes-Prävention) auf lange Sicht nicht überlegen:
- In der Metformin-Gruppe entwickelten 70 % der Teilnehmer im Verlauf Diabetes.
- In der Lebensstil-Gruppe waren es nur 60 %.
Kein Effekt auf die Lebenserwartung.: auch beim großen Traum der Biohacker – länger leben – enttäuschte Metformin. In allen drei Gruppen starben etwa 14 % der Teilnehmer während der Beobachtungszeit. Was die Forscher und Experten sagen „Diese Daten zeigen etwas, das wir alle intuitiv spüren: Veränderungen des Lebensstils sind unglaublich kraftvoll und halten unglaublich lange an“, kommentiert der Yale-Experte für Public Health Perry Wilson die Ergebnisse.
Die Autoren der JAMA-Studie kommen zu einem klaren Fazit: „Lebensstilprogramme können die Entwicklung chronischer Erkrankungen langfristig senken.
Fazit für alle, die auf Langlebigkeit setzen: Metformin mag in manchen Tiermodellen und kurzfristig bei Diabetikern Vorteile haben – als tägliche Anti-Aging-Pille für gesunde Menschen hält es die großen Versprechen nicht. Wer wirklich etwas für eine gesunde und möglichst beschwerdefreie Lebensphase tun will, kommt an den klassischen, aber wirksamen Maßnahmen nicht vorbei:
- Ausgewogene Ernährung
- Regelmäßige Bewegung
- Gesundes Körpergewicht
Diese Veränderungen wirken nicht nur kurzfristig, sondern entfalten über Jahrzehnte ihre schützende Wirkung – deutlich stärker als eine Pille. Die Studie ist ein weiterer Beleg dafür, dass es keine einfache pharmakologische Abkürzung zum gesunden Altern gibt. Der Preis für ein langes, gesundes Leben bleibt die konsequente, tägliche Arbeit an den eigenen Gewohnheiten.
